17 – Debris Hut

Freitag 21.07.17

Eigentlich handelt es sich hierbei um eine Unterkunft für eine Person. Sie sollte in 2 bis 3 Stunden gebaut sein und auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ein Übernachten ohne Schlafsack und Ausrüstung ermöglichen.. Sie wird nur mit der eigenen Körperwärme beheizt. Zum Bauen braucht man keinerlei Werkzeug. Eine Debris Hut ist eine Notunterkunft!

DSC00320

Ich bin in Not – ich bin in großer Not. Auch wenn meine Unterkunft für eine Debris Hut eigentlich viel zu groß ist, kommt diese Bezeichnung wohl am ehesten hin. Nur, dass ich eine Notunterkunft für meine Psyche brauche. Also darf ich mir wohl den Luxus eines zwei Personen Debris Hut leisten. Auch habe ich einen Stauraum für Wasser, Lebensmittel und was man sonst noch so braucht, eingeplant. Der Arbeitsaufwand ist entsprechend sehr viel größer als bei einer klassischem Debris Hut. Der Anspruch an meine Behausung ist, dass nichts Lebendes aus dem Wald verwendet wird. Absolut nichts! Wer zum Meditieren in den Wald geht, der sollte nicht gleich seinen Zorn auf sich ziehen.

DSC00319An Werkzeug habe ich nur eine 18 cm lange cc, ein Taschenmesser und ein paar Kabelbinder. Eigentlich hatte ich überlegt, die Schnüre zum Binden selbst herzustellen. Aber für die Herstellung von Schnüren hätte ich Brennnesseln verwenden müssen, und da ich wirklich kein Leben aus dem Wald nehmen will, habe ich mich für die Kabelbinder entschieden. Auch braucht es viel Zeit um Schnüre herzustellen und Kabelbinder sind super stabil. Man möge mir also diesen Frevel verzeihen.

Aber auch mit derartigen Erleichterungen war schnell klar, dass mein Anspruch, eine regelmäßig nutzbare Unterkunft zu bauen, mit einem vielfachem an Arbeitsaufwand verbunden sein würde. Bei meinen Streifzügen, in den ersten drei Tagen, hielt ich stets die Augen, nach geeignetem Baumaterial auf. Ich fand gleich zwei First-Stangen und entschied mich, für die längere, die auch ein wenig dicker war.

DSC00324Geeignetes Holz schleppe ich oft von weiter weg heran. In einer Schonung, hat irgendjemand Bäume herausgeschnitten und zum verrotten liegen lassen. Die allermeisten waren schon so morsch, dass auch dickere Stämmchen unter den Füßen brachen. Andere waren noch ganz frisch, als ob man ihnen erst vor Tagen das Leben genommen hätte. Das entasten ging mit der Klappsäge sehr gut. Überhaupt bin ich mit dem Teil super zufrieden. 6,50 € und man kann bis zu Handgelenk dicke Stämmchen damit sägen. Wenn es dicker sein soll, muss man das Holz drehen…

DSC00323Am Dienstag dem 18.07.17 fuhr ich früh um 10:00 Uhr los, um meinen ersten Tag im Wald zu verbringen. Einen Platz hatte ich unter einer Hainbuche gefunden. Ich legte meine Hände gegen den Stamm, schloss meine Augen und konzentrierte mich um das Leben in dem Baum zu spüren. Es geht darum, den Baum als Lebewesen mit Wünschen, Bedürfnissen und Charakter wahrzunehmen. Die Hainbuche ist ein freundlicher Baum, wenn man ihn mit Respekt behandelt. Sie war es auch, die von mir verlangt hat, kein Leben im Wald zu nehmen.

Dies Hainbuche, hat irgendwann mal einen Ast verloren. Der Stumpf bietet aber noch immer eine Astgabel, in optimaler Höhe um als Stütze für meine First-Stange zu dienen. Das andere Ende liegt auf einer A-Stütze auf. Diesen Knie hohen Träger habe ich aus Zweigen, mit Kabelbindern gefertigt. Insgesamt habe ich vier solcher Träger zur Unterstützung gebaut. Die Konstruktion ist so stabil, das ich, wenn ich darunter sitze, Klimmzüge an der First-Stange machen kann.

DSC00327Nachdem die tragende Konstruktion stand, suchte ich Zweige für die Bodenisolation. Den größten Wärmeverlust hat man über den Untergrund. Sorgfalt und Fleiß sind bei der Schlafunterlage zwingend erforderlich, sonst bekommt man einen kalten Hintern. Die klassische, einfache Bodenisolation besteht aus Zweigen, Laub und wieder Zweigen. Die Zweige direkt auf dem Boden dienen als Lattenrost und halten die Feuchtigkeit fern. Die eigentliche Isolation bildet dann das Laub. Es sollten wenigstens 30 cm Laub sein. Es drückt sich beim schlafen noch um einiges zusammen.

Soweit die Theorie. Praktisch wurde ich natürlich lange nicht fertig. Kein Problem, dachte ich mir. Ich hab ja gleich 2 Isomatten dabei. Auch war das Laub noch viel zu feucht um drauf zu schlafen. Aber egal ob Isomatte oder Laub, ich gebe allen die sich so eine Schlafunterlage bauen, einen guten Rat: Nehmt dünne Zweige und schichtet diese entsprechend übereinander. Je dünner desto bequemer. Nachts bohrt sich immer irgend ein Zweig in euren Rücken, wenn sie nicht dünn genug sind.

Samstag 22.07.17

Mit 5 bis 10 cm dicken, geraden Stangen vollende ich den Dachstuhl des zum Boden hin auslaufenden Giebeldaches meiner Unterkunft. Die Stangen werden einfach wechselseitig, schräg gegen die Firsts-Stange gelehnt. Eine Vorne, eine Hinten, eine Vorne, eine Hinten und immer so weiter, das verleiht Stabilität und die Stangen kommen nicht so schnell ins rutschen. Am First dürfen die Stangen nicht zu weit überstehen, da sonst Regen an ihnen herab in die Unterkunft laufen könnte.

Mehr als 6 Stunden habe ich so gewerkelt. Der Rohbau steht! Es war unglaublich schön so für sich zu sein, sich so im Wald zu bewegen. Aber abends um 9 Uhr wollte ich nur noch den Wald auf mich wirken lassen. Ich rollte Isomatte und Schlafsack aus und versuchte Ruhe zu finden. Der Wald ist richtig, aber Wunder dauern auch bei ihm etwas länger. Ich fand genauso viel Ruhe, wie in mir war und in mir war nicht sehr viel Ruhe. Ich döste kurz ein um vom Geschrei einer Eule über mir wieder geweckt zu werden. Dann drückte ein Ast mir in den Rücken, ein Jäger schießt noch ein letztes man in der Dämmerung… Ich habe PTBS und schlafe schlecht. Normalerweise schlafe ich mit laufendem Fernseher. Um 23:30 Uhr gab ich erstmal setzte mach, und meditierte für 45 Minuten. Ich lag fast die ganzer Nacht wach. Nächste Woche werde ich aber, wenn ich mein Debris Hut regendicht bekomme, wieder im Wald schlafen…

Fortsetzung folgt…

DSC00330

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, Mein Weg der Heilung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.