Gedanke am Rande

Und wieder hat Luise Kakadu es geschafft, Worte zu finden, die so brutal offen und authentisch sind, dass sie uns die Wahrheit, die wir nicht hören wollen, mit dem Vorschlaghammer ins Hirn treibt!

Erstmals auf ihrem Blog https://missbrauchundsexarbeit.wordpress.com/ am 2.  bzw. 7. August 2017 veröffentlicht.

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Eben kommt mir so in den Kopf, dass es für so dermaßen viele Männer das aller schlimmste wäre, man könnte sie für homosexuell halten. Homophobie ist unter Männern eine der am weitesten verbreiteten Ängste. Sie fürchten sich davor, unbewusst andere Menschen auf die Idee zu bringen, sie sich vielleicht gar vorzustellen, sich ein Bild im Kopf zu malen, wie sie vielleicht da hocken auf allen Vieren – um sich von einem anderen Mann anal penetrieren zu lassen – oder vielleicht hocken, um zu lutschen – keine Frau – sondern ihres Gleichen.

Wie oft sind mir in der Prostitution Männer begegnet, die sich so unsagbar sehnten nach analer Stimulation. Welche ich jedoch zuvor ausdauernd beruhigen musste, dass ich sie nicht falsch verstehe, nicht im falschen Blickwinkel wahrnehme und dass ich auch ganz gewiss verschwiegen und diskret bin und mit ihnen ihre Moral beleuchten, während sie sich also fürchten davor, dass sie irgendwer für schwul halten könnte, haben sie hingegen absolut keinerlei Angst davor, eine Frau zu benutzen.

Eine Frau zu bezahlen, auch um Dinge zu tun, die sie nicht will. Sie haben keine Skrupel; keine Bedenken und keine Scham, sich über jedes Nein dieser Frau hinweg zu setzen. Keine Bedenken und keine Moral, auch weiter gegen dieses Nein zu bedrängen, zu fordern und „mehr Geld“ zu bieten. Keine Scham und keine Emotionen, einfach mal heimlich das Kondom abzuziehen. Und keine Gedanken darüber, auch „aus versehen“ an der Vagina abzurutschen – und mit vollem Karacho in den Anus zu rammen. Oder Küsse zu fordern, nur weil „alle anderen das auch machen“. Zu manipulieren, bedrängen und zu zwingen. Schwul zu sein ist offensichtlich für Männer der absolute Supergau.

Aber ein Vergewaltiger zu sein, ein Täter, ein Mißbraucher – das hat man ja schließlich BEZAHLT. Hierauf hat man ein ANRECHT. Da braucht man kein Mitgefühl zu haben – „die hat sich das schließlich ausgesucht“.

Wir leben wohl schon in einer sehr eigenartigen und verschobenen Welt.

©Luise Kakadu

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JA, genau so ist es

Ja, Schmerz ist hässlich – Schmerz ist eklig – Schmerz ist unsympathisch – Schmerz ist widerlich – Genauso widerlich, wie es widerlich ist, Kinder zu ficken – Frauen zu kaufen – Sie vollspritzen zu wollen und in alle Löcher benutzen.

Leid tut weh. Und nein, ich nehme keine Rücksicht. Ich halte mich nicht bedeckt. Ich drücke mich nicht „vornehm“ aus. Das tut der Schmerz in mir drin auch nicht. Und auch nicht mein Onkel, die Tante, die Oma, der Vater – und all die verfickten Freier. Keiner tut es.

Weshalb also sollte ich es tun? Wenn mir nun der Körper und die Seele schmerzt? Hat irgendwer Angst, man könnte sich daran anstecken? Infizieren? Muss man immer NETT sein? Und LIEB? Damit man vielleicht dann Hilfe bekommt, wenn man sie vielleicht eigentlich gar nicht braucht?

Hilfe braucht man auch dann, wenn man traurig ist; verzweifelt und sichtbar.

Auch dann, wenn man schreit.

©Luise Kakadu

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