Ich glaube es wird mal wieder Zeit,

dass ich mich zu Wort melde. Lange habe ich überlegt, ob ich das überhaupt schreiben soll. Aber mir platzt langsam wirklich der Kragen.

Sexueller Missbrauch! Ein Begriff, der immer mehr verschwimmt. Was versteht man denn darunter mittlerweile? Warum werden die Begriffe, wie Vergewaltigung nicht mehr ausgesprochen? Das klingt zu hart? Ja, dass ist hart, wenn man es erleben musste. Aber die Diskussionen nehmen fragwürdige Tendenzen an, wenn man mittlerweile auch ein Nachpfeifen darunter fallen lässt.

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Ein Nachpfeifen ist vielleicht eine Belästigung aber mit Sicherheit kein sexueller Missbrauch. Nein, ich will hier nicht bewerten, wenn man sich belästigt fühlt und Nein, ich will auch nicht wetteifern, wer schlimmer Belästigt oder in der Würde und am Körper verletzt wurde. Aber man sollte doch langsam mal anfangen zu differenzieren. Alles wird schwammig gemacht und in meinen Augen führt das dazu, dass alles verharmlost wird.

Ganz schlimm finde ich es, wenn es um Kinder geht. Es gibt dort keinen sexuellen Missbrauch, denn wo es ein Missbrauch gibt, gibt es auch einen Gebrauch und das kann es im Fall von Kindern niemals geben.

Es gibt auch keinen Gebrauch, wo massive Macht ausgeübt wird und Gewalt. Es sind Verbrechen der übelsten Sorte.

Wie soll ich meinen Sohn erziehen? Muss ich ihn warnen, wenn er eine Frau anspricht? Pass ja auf, wenn du den falschen Ton triffst, was ja für jede Frau individuell ist, wirst du unter Umständen wegen sexuellem Missbrauch angezeigt?

Vergewaltigung und Misshandlungen sind die, für mich, mit übelsten Verbrechen überhaupt. Keiner der es nicht erlebt hat, kann sich diese Ängste vorstellen. Die schlaflosen Nächte von Kindern oder auch Erwachsenen, die auf jedes einzelne Geräusch hören, dass damit verbunden sein könnte, dass er oder sie wieder kommt und einem Schmerzen bereitet. Die Zwiespalt zwischen der Elternliebe und der unsäglichen Angst die es empfindet. Die Angst der Menschen, die angegriffen werden und nicht die Chance haben ihre Würde und Körper zu schützen. Die Schäden für das ganze Leben, die Abspaltung um überleben zu können. Der Jahrzehnte lange Kampf wieder ein oder überhaupt mal ein normales Leben führen zu können. Und wenn der Kampf einigermaßen erfolgreich ist, dann feststellen muss, dass die Tat verjährt ist, oder man miess behandelt wird. Als Lügner hingestellt wird und gegen den Täter bestehen muss vor Gericht.

Ja, auch ich habe angezeigt und wurde verhöhnt. Als 16 jährige. Wie sollte ich dann wieder Vertrauen zu der Justiz und Behörden gewinnen können. Und dann kommen, wenn man OEG Rente beantragt, Nachfragen wie, haben sie die Tat provoziert. Auch das ist dann wieder wie eine Vergewaltigung. Alles kommt wieder hoch, wieder muss man kämpfen. Es hört niemals auf.

Dann komme welche, die angeben, sie wurden sexuell Missbraucht wegen eines Pfiffes. Ein Post von einer Abgeordneten, die angegeben hat, dass sie belästigt wurde, weil ein älterer Abgeordneter zu ihr sagte, dass er gar nicht mit so einer hübschen jungen Dame gerechnet hätte die den Vortrag hält. Warum kann man denn dann nicht einfach nur stolz darauf sein, dass die Gesellschaft mittlerweile so weit ist, dass es eben nicht mehr verwunderlich ist, dass es eine junge Frau soweit bringen kann. Es war vor 20 Jahren noch eher eine Seltenheit und wir haben dafür gekämpft, dass dem nicht mehr so ist. Oder ein Gymnasium, dass ein Gedicht von der Fassade entfernen muss, da es der Frau und der Natur huldigt. Es ist lächerlich.

Ich wünschte mir mehr Souveränität in solchen Situationen und nicht den Drang, mit aller Macht auf den Zug des sexuellen Missbrauch mit aufspringen zu wollen. Denn die Betroffenen/ Opfer, die das überlebt haben, würden das in dieser Form erst gar nicht registrieren, da sie wissen, was Machtmissbrauch wirklich heißt.

Jetzt können mich auch gerne die Feministinnen in der Luft zerreißen.

In dieser ganzen Diskussion, die so zwiegespalten ist, wird man irgendwann nicht mehr ernst genommen, wenn man erzählt, was einem passiert ist. Man wird noch mehr in Zweifel gezogen, wie es eh schon der Fall ist. Die ganze Bandbreite, die unter sexuellen Belästigung läuft macht die Situation der Betroffenen noch schlimmer, ist kontraproduktiv und hilft in keinster Weise etwas zu verbessern. Meiner Meinung nach.

Es sollte Differenziert werden. Klare Grenzen wird es niemals geben können, da jeder eine andere Scham und Schmerzgrenze hat. Aber trotzdem gibt es Situationen, die auch beim besten Willen nichts unter dem Begriff, sexuellem Missbrauch, verloren haben. Oder nennt es beim Wort, Vergewaltigung, Prügel, Demütigung und was es sonst noch so alles gibt.

© Silvi Alexandra Wolff

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http://www.das-schweigen-brechen.org/?p=944

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