19 – Fallen lassen

Eine Skillkette kann man grob in drei Phasen bzw. Pakete einteilen: sanft, mittel und hart! Man sollte jedes der drei Pakete so voll packen, wie nur irgend möglich. Wobei es meiner Ansicht nach überhaupt keinen Sinn macht, Skills zu verwenden, für die ich gleich eine ganze Gefriertruhe mitschleppen muss.

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Sonntag 04.03.18

Ich habe noch immer Probleme mit der Internetverbindung. Mittlerweile habe ich mir einen Stick gekauft und auch angemeldet, eine Verbindung habe ich noch immer nicht. Aber ganz hoffnungslos ist meine Lage dennoch nicht, gegenüber gibt es einen Mc Donalds und da habe ich ein halbwegs brauchbares WLAN Netz.

Ich möchte noch mal kurz auf meine Verfassung während der ersten drei Tage zu sprechen kommen. Ich war mehr als nur gestresst, mein Anspannungslevel stieg stetig und am Ende stand ein heftiger Flashback. Mir war sehr schnell klar, dass ich mit großen Schritten darauf zu gehe – verwundert war ich nur, dass es so schnell ging. Ein vertrautes, sicheres Gefühl stellte sich, quasi direkt mit meiner Ankunft ein. Klar, man kommt in eine Gruppe mit lauter unbekannten Menschen, aber das sichere Umfeld überwog doch deutlich. Auch habe ich mich ganz bewusst dazu entschlossen mich fallen zu lassen und zu bearbeiten was da kommt.

Ich bin meine Skillkette in eineinhalb Tagen, komplett durchgegangen, um dann während der Entspannungsgruppe den Flashback zuzulassen.

Damit eine Skillkette wirklich gut funktioniert, gilt es die Selbstwahrnehmung zu trainieren und zu schärfen. Wenn ich nicht bemerke, das ich geradewegs auf einen Flashback, sei er nun echt oder unecht, zusteure, dann kann ich auch nichts dagegen unternehmen. Ich muss zunächst also, nach jedem Flashback analysieren welche Anzeichen es im Vorfeld gab. Ob emotional, körperlich oder geistig ist ein Hinweis, wenn sie wiederholt auftritt von Bedeutung. Ich zum Beispiel, werde erst gereizt, laut und unruhig, dann aggressiv bis hin zu Gewaltphantasien – und als Krönung setzt sich dann der Flashback oben drauf.

Montag 05.03.18

Eine Skillkette kann man grob in drei Phasen bzw. Pakete einteilen: sanft, mittel und hart! Man sollte jedes der drei Pakete so voll packen, wie nur irgend möglich. Wobei es meiner Ansicht nach überhaupt keinen Sinn macht, Skills zu verwenden, für die ich gleich eine ganze Gefriertruhe mitschleppen muss. Immer wieder liest man auf Skilllisten von so drolligen Vorschlägen wie Eiswürfel über die Haut streichen… Machen wir uns aber eines klar: Ein Skill, dass ich nicht ständig bei mir haben kann, taugt nichts!

Ich habe meine drei Skillpakete immer bei mir, und ich achte darauf, dass alle drei Pakete zusammen in meine Hosentasche passen. Der Inhalt der Pakete sollte aus verschiedenen Bereichen kommen. Hierfür macht es Sinn, wenn wir uns noch einmal verdeutlichen, was ein Flashback eigentlich ist:

Ein Flashback ist eine fehlerhaft abgespeicherte Erinnerung! Ein Ereignis ist derart bedrohlich, das der Körper mit Stresshormonen überschüttet wurde. Da eine Angemessene körperliche Reaktion, wie Flucht oder Kampf nicht möglich war, ist unsere Handlung quasi eingefroren. Die ausgeschütteten Stresshormone, die eigentlich körperliche Höchstleistungen ermöglichen sollen, schädigen jetzt Teile des Gehirns, genauer gesagt, den Hippocampus im Limbischen System. Der Hippocampus, der für das korrekte abspeichern wichtiger Erinnerung zuständig ist, kann seine Arbeit nicht mehr richtig tun.

Dienstag 06.03.18

Wer aber glaubt, dass die Trauma-Erinnerungen fehlerhaft sein müssten, da der Hippocampus ja geschädigt sei, der irrt. Wir sprechen hier nicht von einer normalen Erinnerung! Erinnerungen sind nicht konstant, sondern können durchaus, durch äußere Einflüsse relativiert, leicht verändert, intensiviert bzw. abgeschwächt oder ganz gelöscht und überschrieben werden. Bei einer Trauma-Erinnerung ist das anders. Sie ist unveränderlich und kann auch nicht so ohne weiteres gelöscht oder überschrieben werden.

Mittwoch 07.03.18

Ich will versuchen das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Nehmen wir einen Menschen, der jeden morgen mit dem Bus zur Arbeit fährt!

Er begegnet einem jungen Mann, der zufällig, auf dem Weg woanders hin, an seiner Haltestelle umsteigen muss. Bereits nach etwa 10 Minuten kann er diesen Mann nicht mehr korrekt beschreiben. Die beiden Schülerinnen, die täglich mit ihm im Bus sitzen, kann er sehr wohl beschreiben, zumal ihr albernes Geschnatter ihm tierisch auf die Nerven geht. Das sind nur zwei Beispiele, die verdeutlichen, dass unser Gehirn Erlebnisse unterschiedlich gewichtet.

Eine traumatische Erinnerung ist aber anders. Das Ereignis war so bedrohlich, dass unser Gehirn dieses unbedingt sehr gründlich und mit größter Gewichtung abspeichern muss. Gleichzeitig aber konnte das Ereignis nicht korrekt, mit Kontextinformationen wie Zeit und Ort abgespeichert werden. Es werden nur einzelne Fragmente gespeichert. Das ganze lässt sich mit drei Filmen, die auf einer Festplatte gespeichert wurden, vergleichen. Bei einer normalen Erinnerung klicke ich auf meinem PC den Film an, und bekomme Bild und Ton zusammen, schön brav, in der richtigen Reihenfolge angezeigt. Bei einer traumatischen Erinnerung aber klicke ich den Film an und bekomme ein Bild aus dem Ersten Film, gefolgt von ein paar Wortfetzen aus dem Dritten um dann den Abspann vom Zweiten Film zu sehen.

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