Ich habe keine Angst

denn ich habe mich entschieden keine Angst zu haben!

Es ist vollkommen egal was sie tun, ich habe keine Angst mehr vor ihnen. Und wenn ihr mir, wie gestern geschehen, mit dem Tod droht, dann macht mich das nur unglaublich wütend.

Ich kam mit meiner Tochter vom Einkaufen, und im Gespräch vertieft fuhren wir noch von Kerpen – Buir Richtung Morschenich. Bei der Einfahrt zum Kieswerk sahen wir, wie ein „Polizeibus“ ein Wohnmobil Marke Eigenbau zügig verfolgte. Da ich es mir, als Buirer Bürger, zu Angewohnheit gemacht habe, wissen zu wollen was im Tagebau-Umfeld so los ist, und der „Polizei“ wo immer möglich auf die Finger zu schauen, wendete ich und fuhr zurück Richtung Buir.

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An der Tankstelle am Ortseingang, sah ich das Wohnmobil und den „Polizeibus“ wieder. Da wir uns nur wenige hundert Meter hinter dem „Polizeibus“ waren, kamen wir beinah zeitgleich mit der „Polizei“ zur Tankstelle. Ich hielt auf der gegenüberliegenden Straßenseite und sah wie zwei „Polizisten“ die Fahrzeuginsassen mit ihren Pistolen bedrohten. Der Beifahrer saß mit erhobenen Händen im Auto, den Fahrer konnte ich von meiner Position aus nicht sehen. Ich zweifele aber nicht daran, das er sich ähnlich verhielt.

Nachdem uns ein „Polizeibeamter“ etwa zwei Minuten beobachtet hatte, kam er zu uns herüber. Eine Anweisung über Funk oder von seinem Vorgesetzten hatte er nicht, derartiges hätte ich mitbekommen. Für mich war es offensichtlich, das er keine kritischen Zuschauer bei dieser „Polizeiaktion“ haben wollte.

Alles was jetzt geschah diente nur einem Zweck: einzuschüchtern!

Ich bedaure es zutiefst, das ich der Bitte meiner Tochter weiterzufahren, nicht nachgekommen bin, und möchte mich an dieser Stelle aufrichtig bei ihr entschuldigen. Ich konnte unmöglich absehen, wie sich die „Polizei“ uns gegenüber verhielt, zumal wir mit keiner unserer Handlungen dazu Anlass gegeben haben.

„Hände aufs Lenkrad und nicht bewegen“ blaffte mich der „Beamte“ an. „Haben sie die Fahrzeugpapiere dabei?“

Ich griff in meine Hosentasche, um mein Portemonnaie hervorzuholen. Daraufhin blickten wir in zwei Pistolenläufe. Eine Pistole war auf mich gerichtet, eine auf meine Tochter. Nach einigen Sekunden wurde mir bewusst, dass ein Fingerzucken genügen würde, und ich nicht mal mehr den Knall hören würde, geschweige denn die Kugel sehen könnte, die mich oder meine Tochter töten würde.

Angst?

Nein, ich wurde nur unglaublich wütend!

Ich wurde laut, aber nie ausfallend. Wie ein Mensch reagiert, wenn er das Erste mal, vollkommen unvorbereitet in einen Pistolenlauf schaut, kann niemand voraussagen. Ich wurde nur unglaublich sauer. Der Hauptgrund für meine Lautstärke war, das ich Passanten auf die Situation aufmerksam machen wollte. Ich war und bin der Überzeugung, dass Zuschauer in dieser Situation den einzigen Schutz darstellten der uns noch blieb. Die „Polizei“? Ein Aggressor der harmlosen Bürgen nach dem Leben trachtet, und nur weil sie offensichtlich nicht dazu bereit sind vor RWE einen Kniefall zu machen.

Wann immer ich mich dazu herabgelassen habe mit den „Polizeibeamten“ zu sprechen, habe ich meine Ausführungen stets als Frage formuliert. Widerstand habe ich zu keinem Zeitpunkt geleistet. Den üblichen Gegenanzeigen sehe ich gelassen entgegen.

Noch ein paar Worte zum Polizeibericht, den ich hier auszugsweise (wörtlich!) zitiere:

…Während der Kontrolle hatte ein weiteres Fahrzeug angehalten. Fahrer und seine Begleiterin störten die Kontrolle verbal, verhielten sich unkooperativ, aggressiv und gestikulierend. Als der Fahrer der Aufforderung nicht nachkam, unkontrollierte Bewegungen zu machen und die Hände sichtbar vorzuhalten, zogen die Beamten aus Eigensicherungsgründen die Schusswaffe und führten so die Kontrolle durch…“

Das die „Polizei“ gelegentlich lügt und bewusst falsche Berichte schreibt, sollte jedem kritischen Bürger inzwischen bekannt sein. Ich freue mich aber, dass sie es auch in diesem Fall für notwendig hielten, sagt es mir doch, dass ihnen sehr wohl bewusst war, dass ihr Verhalten durch nichts zu rechtfertigen war, und somit illegal.

Wir saßen vollkommen ruhig in unserem Auto, und ich habe bis zu dem Zeitpunkt, da man mich mit einer tödlichen Waffe bedrohte, den „Polizeieinsatz“ durch absolut gar nichts gestört. Das einzige, wodurch die „Polizei“ sich offensichtlich gestört fühlte, war die kritische Beobachtung. Aber ist es nicht so, das in einer Demokratie „alle Staatsgewalt vom Volke“ (GG Art. 20 (2)) ausgeht?

Aggressiv gestikuliert haben wir zu keinem Zeitpunkt, und wer derartiges behauptet, der sagt die Unwahrheit. Als ich nach meinen Papieren gefragt wurde, griff ich in meine Gesäßtasche um mein Portemonnaie rauszuholen – ein vollkommen normaler Vorgang, der nichts mit aggressivem Gestikulieren zu tun hat. Das ziehen der Pistolen allerdings war durchaus eine aggressive Geste, und zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt!

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich „Polizei…“ hier ganz bewusst in Anführungsstriche gesetzt habe, und es als eine Urheberrechtsverletzung betrachte, wenn dies geändert wird. Als LKW-Fahrer habe ich unzählige Polizeikontrollen erlebt. Ich habe es dabei durch die Bank weg nur mit freundlichen Polizeibeamten zu tun gehabt. Wir haben während der Kontrolle der Ladepapiere Kaffee zusammen getrunken und herum geblödelt… Ich würde mir tatsächlich eine Beamtenbeleidigung zuschulden kommen lassen, wenn ich jene Beamte mit dieser „Polizei“ in einem Atemzug nennen würde.

Entgegen meiner Gewohnheit, kann ich dieses Schreiben nicht mit meinem Namen unterzeichnen. Meine Frau hat die berechtigte Angst, dass Tagebau-Befürworter unser Auto (das sie braucht um zur Arbeit zu kommen) demolieren könnten. Dies geschah in der Vergangenheit mit mehreren Autos von Braunkohletagebaugegnern. In Buir wurden bei einem Auto die Scheiben mit einem Beil (das die Täter zurückließen) zerschlagen. Ein weiterer Wagen wurde in Morschenich zu einem Totalschaden verarbeitet, und erst vor kurzem wurde ein vor einem Wohnhaus parkendes Wohnmobil in Brand gesteckt.

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