Andreas Ratz: Mein psychologisches Gutachten

von Andreas Ratz am » 13. Mai 2016

Das Gutachten
Seit vielen Jahren lebe ich von Harz 4. Beantragt habe ich es erstmalig als ich nicht mehr in der Lage war, mich selbst zu versorgen. Dieses ist dadurch entstanden, dass sich das Chaos in meinem Kopf immer mehr in mein Leben und mein Geschäft ausgedehnt hat. Viele Jahre lief ich so beim Amt als Selbstständiger, der irgendwie auf keinen grünen Zweig kam. Viel Hilfe gab es nicht, außer eben finanzielle Unterstützung. Meine Fallmanagerin, die die Aufgabe hat. mich ins Arbeitsleben zu integrieren, eröffnete mir vor einiger Zeit, dass ich weder als Arbeitskraft vermittelbar sei, noch eine Chance habe, meine Imkerei zum Vollerwerb auszubauen, weil ich keine Möglichkeit habe, nötige Investitionen zu tätigen. Harte Realität. Verwunderlich für mich, dass ich am Ende des Gespräches eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben sollte, in der stand, dass ich meine Imkerei weiter aufbauen solle. Ich habe unterschrieben und gedacht: „Was für ein Nonsens.“

andreas-heute

Ich habe gegrübelt, viele Tage. Wie kann es sein, dass die Sachbearbeiterin etwas richtig erkannt hat, aber etwas ganz anderes in der Eingliederungsvereinbarung steht. Also habe ich einen offiziellen Antrag gestellt, zu prüfen ob ich erwerbsfähig bin. Um diesen Antrag zu bescheiden hat das Amt einen Sachverständigen berufen, der ein psychologisches Gutachten erstellen soll. Damit habe ich mich einverstanden erklärt.

Ich denke, dass nicht viele Gutachten erstellt werden, die diese Frage in Zusammenhang mit erlebter sexueller Gewalt nachgehen, vor allem nicht so lange Zeit nach dem Geschehenen.

Das Ergebnis ist recht aufschlussreich, wie ich finde. Da für mich immer ein wesentlicher Punkt war, wie das Geschehene bis heute für die Betroffenen wirkt, bin ich sehr dankbar, dass ein Fachmann diese Frage jetzt in meinem Fall beleuchtet hat.

Feststellen möchte ich an dieser Stelle, dass die Fragestellung nicht die familiären Verhältnisse betrachtet hat. Zu meiner Ursprungsfamilie wurden keinerlei Fragen gestellt, wäre eigentlich interessant, diesen Aspekt mit gleicher Gründlichkeit zu beleuchten.

Ich bin mir sicher, dass viele von uns, wohl die meisten, bis heute schwer an den Folgen zu tragen haben. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, das über mich angefertigte Gutachten zu veröffentlichen.

andreas-damals

 

Hier geht es zum Gutachten

http://das-schweigen-brechen.org/onewebmedia/Gutachten%202016.pdf

 

 

Vielleicht macht es einigen Mut, vielleicht ist es ein weiterer kleiner Beitrag dazu, die Spätfolgen von Gewalt gegen Kinder aufzuzeigen.

Viele Grüße
© Anreas Ratz

Dieser Beitrag wurde unter Autoren, Beiträge - Wissen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.