Warum öffentlich?

08.Dez.15
Hallo miteinander,
so die reinen Fakten liegen also auf dem Tisch. Ich bin erschüttert, auch über mich selbst.

Innerhalb der eigenen Familie mit Anwalt und Gericht auf einander losgehen, das habe ich nie verstanden, das habe ich immer voll abgelehnt, das finde ich abartig.

Ich hänge mitten drin, und das auch noch öffentlich. Das wirft Fragen auf, nicht nur beim Leser, sondern auch bei mir. Was geschieht da eigentlich???

WARUM ÖFFENTLICH??

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Die Familie Wlazik, die ja auch meine Ursprungsfamilie ist ( Ratz heiße ich heute, weil ich bei der Hochzeit den Namen meiner Frau angenommen habe) ist in der gesamten Elly-Geschichte von Anfang an, den Weg in die Öffentlichkeit gegangen. So ist es doch bemerkenswert, das alle Drei Brüder Wlazik sich schon im Kindesalter an Schulleitung und Behörden gewendet haben, um den Missbrauch anzuzeigen. Anton Rudolf (Name geändert) war es der durch Kontakt zur Taz, und den daraus folgenden Artikel, heute 40 Jahre später eine breite Öffentlichkeit für unser Thema geschaffen hat..

Die Frage ist, kann man die Familieninterna nicht auch hinter verschlossenen Türen Regeln?

Ich komme immer wieder zu dem Schluss nein. Denn all das sind folgen der Taten von damals, und dieses gilt es aufzuklären, öffentlich, das war und ist unser Anliegen. Aus einigen Feedbacks, konnten wir immer wieder erfahren, es ist nicht nur in unserer Ursprungsfamilie so, es geht vielen ähnlich mit ihrer Ursprungsfamilie. Indem wir auch mit den Geschehnissen in unserer Ursprungsfamilie offen um gehen, versuchen wir Mut zu machen, das auch andere Betroffene ihr Schweigen brechen, auch innerhalb der eigenen Ursprungsfamilie.

Bei sehr vielen Opfern von Sexualisierter Gewalt ist in der Ursprungsfamilie etwas nicht in Ordnung gewesen, ist etwas nicht “normal“ gelaufen. Erst dadurch wird es häufig möglich das Kinder zu Opfern werden. Kinder aus “normalen Familien“ sind viel seltener betroffen, für die Täter ist das Risiko sehr viel höher, wenn sie annehmen müssen, das ein Kind sich bei sexueller Gewalt sofort an seine Eltern wendet, und diese NORMAL reagieren. In sehr vielen Familien spielt das Thema eine eigene Rolle, weil es auch innerhalb der eigenen Familie Täter gibt. Bei uns in der Familie z.B. der Opa. Mein Opa, einer meiner Vorfahren, einer mit dem ich Genetisch verwand bin, ist ein Kindervergewaltiger gewesen. Brutal hart was?
Wer will schon über derartige Dinge in der eigenen Familie reden?
Dann lieber schweigen, TOTSCHWEIGEN.

Familienmitglieder die dieses Schweigen brechen, innerhalb der Familie oder gar öffentlich, werden häufig von den eigenen Leuten geradezu geächtet. Mir ist ein Fall bekannt, wo eine Frau auf einer Familienfeier den eigenen Vater mit dem Missbrauch den er an ihr begangen hat konfrontiert hat. Das Resultat war nicht etwa das der Täter geächtet wurde, nein das Opfer wurde geächtet, weil sie ausgesprochen hat, was alle wussten, was aber keiner je thematisiert hätte.

Aus meiner Sicht ist es wesentlich, das wir nicht nur das Versagen von Behörden, von Lehrern und anderen öffentlich verantwortlichen unter die Lupe nehmen, sondern auch explizit in die eigenen Familien schauen. Dabei kommt häufig viel Müll an die Oberfläche, viele Verletzungen, viel nicht nachvollziehbares Unrecht das uns als Kinder zu gefügt wurde.

Diese Kindlichen Verletzungen wirken in unser gesamtes Leben rein. Manche von uns wählen den Weg in die Sucht, ins Schweigen, in den Freitod, in sonstige selbstzerstörerische Handlungen. Manche gehen den Weg in den Hass, auf den Täter, die Mitwisser, auf alle die Verletzungen beigebracht haben, und nicht zu Letzt auf sich selbst. Hass ist wie eine Sucht, er hält sein Opfer gefangen.
Wenn ich mir die Mails betrachte die ich von Anton Rudolf im letzten Jahr erhalten habe, muss ich feststellen, das er mich offensichtlich hasst, und mit allen Mitteln bekämpft. Dieses hat natürlich Ursachen, und die sind durchaus auch bei mir zu suchen. Denn auch ich habe meinen Bruder in der Kindheit verletzt, sein Selbstwertgefühl beschädigt, und ihn abgewertet. Dinge die in einer “kaputten Familie“ mit stark beschädigten Kindern passieren. Das soll keinesfalls eine Entschuldigung für mein Handeln von damals sein, es erklärt nur den Hass, der mir heute entgegen gebracht wird.

Da dieser Hass mich und meine Familie zum Schluss doch sehr bedroht hat, musste ich anfangen mich zur Wehr zu setzen. Dieses tat ich Juristisch, wie auch sonst. Das ich vor Gericht recht bekam, das Anton Rudolf zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde, betrachte ich nicht als Sieg, es stimmt mich traurig und sehr nachdenklich. Es zeigt mir wie hoch die Schäden sind, die heute noch durch die Taten von damals, entstehen. Wie wenig in den Familien an einer Aufarbeitung und Befriedung getan wird. Wie immer wieder versucht wird, die die das schweigen brechen, Mundtot zu machen.

Ich lese gerade ein Buch eines Dänen. Der auch Betroffener ist, und seine Geschichte erzählt. Ich werde es in Kürze hier vorstellen. Was mir bei der Lektüre immer wieder auffällt, so unterschiedlich die Geschichten zu seien scheinen, es gibt wirklich viele Parallelen. So unglaublich die Geschichte der Familie Wlazik, und den Vergewaltigungen an der Elly zu seinen scheinen, es gibt sehr viele Parallelen, zu anderen Familien zu anderen Gruppen, wo das Schweigen das erste Mittel der Wahl ist um mit dem Unglaublichen um zu gehen.

ÖFFENTLICH, nicht weil es mein Anliegen ist, eine private “Schlammschlacht“ öffentlich zu führen, sondern um zu Zeigen welche Folgen es gibt, für Familien, Angehörige, Betroffene, und nicht zu Letzt die ganze Gesellschaft.
ÖFFENTLICH, weil ich hoffe je mehr mit dem Thema und allen schrecklichen Folgen die es hat in die Öffentlichkeit gehen, umso sensibler wird unsere Gesellschaft, unsere Familien unsere Freunde.
Diese Sensibilität, für das was Kindesvergewaltigung bedeutet, braucht es, damit alle lernen, das ist kein Thema zum Wegschauen, zum Vertuschen, zum unter den Tisch kehren.
ÖFFENTLICH, weil ich hoffe, das wenn die Schäden, die wir noch als Erwachsene tragen klar werden, es vielleicht leichter wird, Hilfsangebote zu erhalten…
Viele Grüße

© Andreas Ratz

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14. Jan 2016 17:59
Hallo liebe Leute,
bleibt eine Frage offen, warum jetzt auch noch die Staatsanwaltschaft. Das hat letztendlich drei Gründe.

1. Wichtig für mich, das ich absolut nicht mehr erpressbar bin. Durch die Selbstanzeige nehme ich der Gegenseite jegliche weitere Erpressungsmöglichkeit. Außerdem bin ich der Meinung, das man sich an Gesetze zu halten hat. Wenn mir also einer Vorwirft, dieses nicht getan zu haben, dann möchte ich das geklärt sehen, den ich pflege zu dem zu stehen was ich falsch gemacht habe. Das heißt die Staatsanwaltschaft prüft jetzt ob was gegen mich vor liegt oder nicht. Wenn nicht kann ich sagen, war alles nur Verleumdung.

2. Ich bin nicht der Meinung, das jemand der derartig viele wirklich absolut falsche Behauptungen über mich in die Welt gesetzt hat, damit nicht durchkommen darf. Da die allermeisten Behauptungen von Anton Rudolf sich ganz einfach widerlegen lassen, ist eine juristische Aufarbeitung gleichzeitig wichtig um zu beweisen, dasAnton Rudolf auch da wieder gelogen hat.

3. Da gibt einer vor sich für Betroffene einzusetzen. Er inszeniert einen ziemlichen Presserummel (ich wurde von ihm gebeten die Taten möglichst genau zu schildern, damit alle wissen was der Täter für ein Monster war) und ist selber noch nicht einmal betroffen. Er nimmt für die Betroffenen einen Termin beim Kultusminister war, und spricht für Betroffene, ohne jegliche Legitimation.?
Das verstehe ich nicht.

Noch weniger verstehe ich wieso jemand dann mit Verleumdungen tatsächlich schwerst Betroffene beschädigt. Ja ich bin Jahrelang Opfer von den Handlungen gewesen die Buß an mir begangen hat. Ja , es ist richtig, das Betroffene wie ich eine starke Neigung zur Sucht haben. Ja es ist richtig, dass ich bis vor einiger Zeit gekifft habe wie ein Weltmeister, ein Glück bin ich nicht bei Alkohol oder chemischen Drogen gelandet, dann wäre ich heute sicher tot. Selbstschädigender Drogenkonsum, als Tatfolge, von Anton Rudolf genutzt um mich bei der Staatsanwaltschaft deswegen anzuzeigen, das geht gar nicht.
Im Gerichtsverfahren mit der Taz falsche Eidesstattliche Aussagen machen, nur um die eigenen Interessen zu erreichen, ohne zu schauen wie es den tatsächlich Betroffenen geht, das geht gar nicht.
Wir haben nicht nur ein menschliches Problem, wir haben auch ein juristisches. Wie wird im Nachgang der Taten auch juristisch mit den Betroffenen umgegangen? Da braucht es aus meiner Sicht keinesfalls jemanden wie Anton Rudolf, deshalb distanziere ich mich nicht nur, sondern versuche durch meine Anzeige auch dieses inakzeptable Verhalten zu beenden.

So, von meiner Seite alles gesagt. Das Thema ist glaube ich durch. Wie gehabt, bleibt es noch einige Zeit offen, falls noch jemand seine Meinung sagen möchte. Wenn nicht wird es in absehbarer Zeit geschlossen,
viele Grüße
©Andreas Ratz

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