1. Kapitel – Der Prozess

Die letzte Instanz

Geschichten aus dem Leben eines vergewaltigten Jungen

 

Es war am 12.05.2016, als der Gerichtsvollzieher mich aus meinem Mittagsschlaf riss. „Das kann nicht sein,“ dachte ich mir, „sollte meine Frau tatsächlich eine Rechnung übersehen haben?“ Seit sie sich um unsere Finanzen kümmert, hat das elende finanzielle Chaos eigentlich ein Ende.

Doch der Gerichtsvollzieher wollte kein Geld, er brachte mir einen Beschluss des Amtsgerichts Siegburg. H.H. hat doch tatsächlich, im Eilverfahren, eine Einstweilige Verfügung gegen mich erwirkt. Das ist einfach unglaublich, H.H. liest in dem Beitrag „Mein Weg der Heilung“ dass ich mit der ambulanten Therapie angefangen habe, dass dabei eine ganze Menge wieder hoch kommt, dass ich seit Wochen massive Schlafprobleme habe – und was macht sie? Sie zerrt mich vor Gericht, um mich zum Schweigen zu bringen!

Es ist eigentlich unfassbar, wann immer ich auf meinem Weg der Heilung mal einen großen Schritt voran kommen könnte, kommt sie und rammt mir von hinten ein Messer zwischen die Rippen. Ja, ich weiß, dies würde sie nur all zu gerne als Grund dafür nehmen um mich erneut vor Gericht zu zerren – bitte schön, tu es doch, aber deinem ach so fähige Anwalt darf ich an dieser Stelle sagen, dass dies eine Beschreibung meiner Gefühlslage darstellt: verbieten sie mir meine Gefühle – das ist es doch, was man mit uns Betroffenen tut…

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Noch am Selben Tag war mein Widerspruch per Einschreiben unterwegs. Da der Schriftsatz des Antragsstellers, auf Grund einer miserablen Kopie, in weiter Teilen nicht lesbar war, habe ich am nächsten Tag, ebenfalls per Einschreiben um eine leserliche Kopie gebeten. Wenige Tage später ernannte ich meinen Bruder, Andreas Ratz, zu meinem Beistand und Prozessbevollmächtigten.

Die Entscheidung, diesen Prozess ohne einen Anwalt zu führen, wurde keineswegs leichtfertig getroffen. Im Hintergrund fand eine kurze Anwaltliche Beratung statt, ich habe mich dazu entschieden nicht lange nach einem guten Anwalt zu suchen, sondern mich auf den Prozess vorzubereiten. Falls ein guter Anwalt aufgetaucht wäre, so hätten ich ihn wohl beauftragt. Aber mehr um verfahrenstechnische Dinge zu regeln, und mit Paragraphen und Präzedenzfällen um sich zu werfen. Unsere Strategie, das ein Vergleich nicht in Frage kommt und wir für einen Sieg in allen Punkten bereit sind, bis zur letzten Instanzen zu gehen, hätte ein Anwalt wohl kaum nach vollziehen können. Aber diesen Prozess zu verlieren würde bedeutet, dass man mich zum schweigen gebracht hätte – und Schweigen ist keine Option!

Das ist immer wieder faszinierend, zwischen uns passt kein Blatt Papier. Mein Bruder, Andreas Ratz und ich hatten sofort aus dem Heilungs- in den Offensivmodus umgeschaltet. Wenn man sich einmal, mit allen Konsequenzen dazu entschieden hat, sich nie wieder zum Schweigen bringen zu lassen, dann muss man sehr viele Entscheidungen nicht mehr wirklich treffen, sie sind selbstverständlich.

Die ersten Tage verbrachten wir viel Zeit, mit elend langen Telefonaten, um uns abzusprechen, Aufgaben zu verteilen, und Strategien für den Prozess zu entwickeln und zu verfeinern. Andreas war damit beschäftigt eine Widerspruchsbegründung zu verfassen und die entsprechenden Beweise endgültig zusammenzustellen. Ich arbeitete den gesamten Emailverkehr durch, um die entsprechenden Passagen herauszusuchen. Dabei kam mir zu gute, dass ich im Oktober 2015, zwei Wochen damit zugebracht habe, den gesamten Emailverkehr von H.H. meinen beiden Brüdern, meiner Frau und mir zusammen zu suchen und zu sortieren. Andreas fragte mich damals immer, warum ich mir die Arbeit mache, ich erwiderte darauf immer nur: „Das brauche ich noch mal, wenn ich die ganze Geschichte aufarbeiten will!“ Man was waren wir froh, dass ich diese Vorarbeit gemacht habe.

Am Freitag den 27.05.2016 kam dann die Ladung zum Prozesstermin am 03.06.2016 genau eine Woche war noch Zeit um die Vorbereitungen abzuschließen, eigentlich war dass nicht zu schaffen. Vertagung beantragen? Nein jetzt war das Finale und ich wollte, dass es vorbei war, dass ich und meine Familie endlich Ruhe und Frieden haben.

16 bis 18 Stunden war ich täglich am Arbeiten und ich übertreibe hier keines -wegs. Abends im Bett ging ich die, für den Prozess zusammengestellten Emailauszüge noch mal durch, und Morgens mit dem Aufwachen setzte ich diese Arbeit noch vor dem Frühstück fort.

Zwei Tage vor dem Finale, reiste mein Bruder an. Über 800 km mit dem Auto. Da er Tagsüber noch zu tun hatte, fuhr er abends um Acht los, und schlief nachts ein Paar Stunden im Zelt. Am Späten Vormittag kam er dann bei mir an. Nach einer Dusche und einem Mittagessen machten wir uns dann gemeinsam an die Arbeit. Hunderte von Seiten waren auszudrucken, da vieles in vierfacher Ausfertigung vorliegen musste. Unterwegs gab dann noch der Drucker auf, so das wir in Farbe weiter drucken mussten.

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Kälte breitete sich aus, als ich H.H. vor dem Gerichtsgebäude sah. Mein Gott, was war ich froh, dass ich nicht alleine mit irgendeinem Anwalt gekommen war. Liebe Menschen waren bei mir!

Da war mein Bruder, der besser als jeder andere wusste was in mir vor ging – da war meine Frau, in deren Schoß ich geweint hatte – und da waren die Menschen aus dem Hambacher Forst. Menschen, die mir mit einer Selbstverständlichkeit ihre Solidarität schenkten, dass es mir das Herz erwärmte.

Meine Frau, die als Prozessbeobachterin anwesend war schrieb:

Familienprozesse sind nie schön. Dieser hier war sogar ziemlich grotesk. Als wir ankamen, mein Mann Kolja (Antragsgegner), mein Schwager Andreas und ein lieber Wiesenmensch und ich, standen mehrere Polizeiwannen vor dem Gerichtsgebäude. Als ich die Antragsstellerin und ihre Tochter erblickte, drehte sich mir augenblicklich der Magen um. Es ist kein schönes Gefühl, Menschen, die einmal Familie waren, plötzlich als Gegner betrachten zu müssen. Die drei Wald- und Wiesenmenschen und die zwei dazugehörigen Vierbeiner, die zu unserer Unterstützung angereist waren, kamen da genau im richtigen Moment, ebenso wie ihre Umarmungen und die willkommene Gelegenheit, den zwei tierischen Freunden das Fell zu wuscheln.“

Die Eingangskontrolle kam mir vor wie im Hochsicherheitstrakt, das ich mich nicht bis auf die Unterhose ausziehen musste, war alles, Na ja, ich übertreibe vielleicht ein wenig, aber so empfand ich es. Das ganze ähnelte wohl eher einer stinknormalen Flughafenkontrolle.

Meine Frau, die als Prozessbeobachterin anwesend war schrieb:

Wir durften das Gebäude nur einzeln durch eine Drehtüre betreten, mussten durch einen Metalldetektor und selbst unsere Kunststoffflaschen abgeben – trotz Hinweis darauf, dass ich wegen meiner Medikation Probleme habe, wenn ich nicht ausreichend trinke. Während des Prozesses stellte ich dann verwundert fest, dass die Antragstellerin ihre Wasserflasche mit in den Saal genommen hatte. Ob da wohl jemand Angst hatte, dass sich in unseren Flasche explosive Stoffe befinden könnten?

Im Gerichtssaal waren zunächst zwei Beamte anwesend, später kam Verstärkung. Auf den Gängen hielten sich (Bereitschafts-)Polizisten auf. An dieser Stelle meinen ganz lieben Dank den Menschen von der Wiese – jenen, die uns begleitet haben und auch jenen, die in Gedanken bei uns waren und die uns später am Tag noch in den Arm nahmen und uns Kraft gaben. Hätten die Polizisten gewusst, dass die von ihnen scheinbar so Gefürchteten vier der liebsten Menschen sind, die wir kennen, wären sie vielleicht wieder abgefahren.“

Die Frau, die die einstweilige Verfügung erwirkt hat, tauchte mit ihrer Tochter und einem reichlich boshaften Anwalt auf, der es den ganzen Prozess über nicht lassen konnte, unaufgefordert irgendwelche Spitzen von sich zu geben. Die Richterin hat den Schriftsatz zum Widerspruch nicht bekommen, was der erste vieler Anlässe für eine seiner zynischen Bemerkungen war, die mein Schwager, der aus dem tiefsten Osten angereist war, um meinem Mann als Beistand zur Seite zu stehen, gelassen konterte.“

In einem Raum mit dieser Person zu sein, schnürte mir zunächst die Kehle zu. Die Eiseskälte, die von ihr ausging, lässt sich am ehesten mit der Ausstrahlung eines Nazguls vergleichen.

Der Umstand, dass Publikum im Saal war verfehlte aber seine Wirkung nicht. Oh Ihr wundervollen Menschen aus dem Hambacher Forst, ich bin euch unendlich dankbar, dass ihr mich in diesen Stunden begleitet habt. Die Panik in den Augen der Antragsstellerin tat einfach nur gut. Mit dem Finger zeigte sie über die Reihen der Zuschauer, um verängstigt zu fragen: „Haben die auch alle Schweigepflicht?“ Dieser Satz hat es auf eine Weise verdeutlicht, wie ich es niemals besser hätte ausdrücken können: Wir sollen zum Schweigen gebracht werden!

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Zunächst wurde H.H. das Wort erteilt. Die auswendiggelernte Rede, die sie nun hielt war in ihrer Selbstgerechtigkeit kaum zu ertragen. Schon in den ersten Sätzen unterstrich sie, dass sie eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben hat!

Hat H.H. in ihrer eidesstattlichen Versicherung noch behauptet, das sie, die Unwahrheit aller aufgeführten Punkte auch beweisen könne, so sprach sich jetzt nur noch von einem Punkt, und führte für alle anderen Aussage gegen Aussagen an.

Ich spürte den Zorn in mir aufsteigen als sie immer wieder sich mit den Tagebucheintragungen des Vergewaltigers Erich Buß rechtfertigte. Fast gebetsmühlenartig wiederholte sie immer wieder den Namen eines Freundes von Andreas Ratz. Wie kann diese Person es wagen, in einer öffentlichen Verhandlung ständig mit den Namen von Betroffenen um sich zu werfen, die mit diesem Verfahren absolut gar nichts zu tun haben? Als sie später dann begann, von ihrem Tablet, direkt aus den Tagebüchern vorzulesen, verlies ich fluchtartig den Raum. Ich kann und will nicht noch einmal die Worten dieses Verbrechers hören!

10. Meine Frau, die als Prozessbeobachterin anwesend war schrieb:

Die Antragstellerin begann damit, dass sie von 6 Punkten, um die es ging, zumindest einen glaube beweisen zu können. Welch schlechter Scherz! Sie erwirkt im Eilverfahren eine Einstweilige Verfügung in 6 Punkten und „glaubt“ nach unserem Widerspruch einen davon beweisen zu können, während sie in der der Verfügung zugrunde liegenden Eidesstattlichen Versicherung noch bekundet hatte, alle 6 Punkte beweisen zu können!?

Ihr „Beweis“ bestand hauptsächlich aus einer Interpretation von Auszügen aus dem Tagebuch des Täters. Nicht nur, dass sie diese nicht einmal hätte besitzen, geschweige denn nutzen dürfen, ohne die Freigabe durch den Erben oder die Aufklärungskommission. Der Antragsgegner, Opfer sexueller Gewalt im Kindesalter und ihr Sohn, hatte mehrfach ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er sich mit den Inhalten der Tagebücher weder auseinandersetzen kann noch will. Mehrfach ist die Antragstellerin auch von Angehörigen, u.a. von mir, darauf hingewiesen worden. Sie hat es wieder getan.

Sie hat bereits vor der Aufnahme meines Mannes in die Akutklinik letztes Jahr im August diesen entgegen aller Warnungen immer wieder damit konfrontiert und die TB immer wieder als „Beweis“ anführen wollen und jegliche Warnungen ignoriert. Ihr ging es dabei offensichtlich darum, ihre vermeintlich weiße Weste reinzuwaschen. Als dies nicht gelang, ignorierte sie die Bitte nach Zeit und Ruhe erneut und schrieb ihren Kindern einen Brief, in dem sie ausführlich erläuterte, welch tolle Mutter sie doch war.“

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Der erste Eindruck, den ich von der Richterin hatte war durchaus positiv, empathisch, freundlich…

Aber der ganze Prozess hatte aus meiner Sicht ziemlich wenig mit dem zu tun, was man eine Gerichtsverhandlung nennt. Der Prozess war ein einziges Chaos!

Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, das eine unparteiische, unbefangene Richterin den Prozess leitet. Nun ja, ich dachte, es wäre die Richterin die das Wort erteilt, um dafür zu sorgen, das jede Partei zu Wort kommt und man strukturiert Punkt für Punkt abarbeitet: Aber das ganze ähnelte eher einem schlechtem Witz als einer Gerichtsverhandlung!

Schon als mein Beistand und Prozessbevollmächtigter, Andreas Ratz dran war die Rede H.H. zu erwidern, offenbarte sich die chaotische Verhandlungsführung. Mehrfach vom Anwalt der Gegenseite unterbrochen, wies mein Bruder darauf hin, dass die Richterin es sei, die das Wort erteile und das ihm das Wort erteilt worden sei. Die Richterin griff aber nicht ein, sondern ließ dem „Anwalt gewähren. Ich setze „Anwalt“ hier ganz bewusst in klammern, da ich sein gebaren als eine Schande für den gesamten Berufsstand empfinde.

Meine Frau, die als Prozessbeobachterin anwesend war schrieb:

Ich hätte meinen Zorn über diesen Rechtsverdreher am Liebsten laut heraus gebrüllt, aber ich wollte das Ende des Prozesses mitbekommen und nicht rausgeworfen werden. Anstatt zu schreien schrieb ich in meinen Notizblock „Axxx“. Bei der nächsten Bemerkung war ich froh, davor Platz gelassen zu haben für ein unbedingt notwendiges „widerliches“. Später ärgerte ich mich, „Axxx“ nicht auf die letzte Seite geschrieben zu haben. Den Platz davor hätte ich brauchen können…“

Als chaotisch lässt sich der Prozess, aus meiner Sicht bezeichnen, da ihm jede Struktur fehlte.

Zu verhandeln waren eigentlich sechs Punkte, wobei wir, auf Grund der inhaltlichen Übereinstimmung, drei Punkte zu einem zusammenfassten. Man sollte meinen, dass es kein Problem für eine erfahrene Richterin sein sollte, die verbleibenden vier Punkte geordnet abzuarbeiten, dem war aber nicht so! Letztendlich wurden grade mal eineinhalb Punkte verhandelt, ansonsten wurde nach Aktenlage entschieden.

Ich bin mir sicher, das die Richterin die Wahrheit erkannt hat. Es gab zwei Situationen, in der sie mir nonverbal genau dies mitteilte.

Es ging um eine Email, die ich am 09.04.2015 um 4:53 Uhr an H.H. schrieb:

Wenn du es noch einmal wagen solltest irgendwo, egal in welchem Zusammenhang und egal wem gegenüber die Tagebücher zu erwähnen, dann hau ich dir eine runter!

Kolja

P.S. ich meine Wort wörtlich was ich sage!“

Als die Sprache auf diese Mail kam, erklärte ich der Richterin folgendes: H.H. hat, als ich Kind war mal einen sehr Persönlichen Brief von mir geöffnet, da sie kontrollieren wollte was ich geschrieben hatte. Ich sagte ihr damals, das, wenn sie es noch einmal wagen sollte, Post von mir, oder an mich zu öffnen, dass ich ihr dann eine runter hauen würde. Einige Zeit später hat sie dann erneut einen, eigentlich total belanglosen Brief an mich geöffnet, worauf ich ihr tatsächlich eine runter gehauen habe.

Ich blickte der Richterin direkt in die Augen und meinte: „Ich habe aber die Hoffnung, dass sie das, im übertragenen Sinn für mich übernehmen!“ In diesem Moment, als sich unsere Blicke trafen, wusste sie, dass ich die Wahrheit sage.

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Worte, für den Anwalt der Gegenseite zu finden, fällt wirklich schwer. Täteranwalt!

Ja, das trifft es vielleicht, er ist ein Täteranwalt. Ich glaube nicht dass er überhaupt in der Lage wäre, Opfer bzw. einen Betroffene zu vertreten. Sicher, BGH – Urteile raus suchen, mit Paragraphen um sich werfen und ein paar zynische Bemerkungen machen, dafür reicht es wohl. Aber wirklich verstehen was in uns vor sich geht – Nein, das kann er nicht. Ja, es mangelt ihm wohl an der entscheidenden Kompetenz um Opfer und Betroffene zu vertreten: Empathie! Und darum ist und bleibt er ein Täteranwalt.

Während der Verhandlung bestand sein Part nicht darin, seine Mandantin adäquat zu vertreten, vielmehr sah er seine Aufgabe darin, uns Betroffenen nach Möglichkeit in lächerliche zu ziehen bzw., die Verbrechen, die Erich Buß an uns verübte, in Frage zu stellen. Ich möchte an Hand eines Beispiels erklären was ich meine: Meine erste sozialpädagogische Spieltherapiestunde am 28.11.1975! An diesem Freitag war ich 8 Jahre, 11 Monat und 26 Tage alt. In dem Prozess ging es immer wieder um die Frage, wann hat die Frau, die mir ihre Gene zugemutet hat H.H.  von den Vergewaltigungen ihres ältesten Sohnes, Andreas Ratz, erfahren? Die entscheidende Frage war, hat sie davon gewusst bevor sie mich zu dem Vergewaltiger Erich Buß schickte, oder erst, wie sie behauptete, danach? Ich habe also meine Aussage, das ich, als ich das erste mal vergewaltigt wurde, acht Jahre alt war, mit dem Protokoll der ersten Therapiestunde untermauert.

Der Kommentar des Anwalts: „Das beweist aber noch nicht die Vergewaltigung!“

Meine Vorschlag, doch ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu beantragen tat er arrogant ab, ob da vielleicht meine Anmerkung, ich hätte bereits von dieser, für die Opfer peinigenden Tortur gehört, und würde nur zu gern aus erster Hand, öffentlich darüber berichten, ihn von einen derartigen Antrag abgehalten hat, wage ich nicht zu glauben

Bevor ich in meinem nächsten Bericht kurz auf die Rolle von H.H. eingehe, hier der vollständige Bericht meiner Frau, die sowohl den Prozess als auch die gesamte Geschichte seit dem Artikel in der taz verfolgt hat:

Familienprozesse sind nie schön. Dieser hier war sogar ziemlich grotesk. Als wir ankamen, mein Mann Kolja (Antragsgegner), mein Schwager Andreas und ein lieber Wiesenmensch und ich, standen mehrere Polizeiwannen vor dem Gerichtsgebäude. Als ich die Antragsstellerin und ihre Tochter erblickte, drehte sich mir augenblicklich der Magen um. Es ist kein schönes Gefühl, Menschen, die einmal Familie waren, plötzlich als Gegner betrachten zu müssen. Die drei Wald- und Wiesenmenschen und die zwei dazugehörigen Vierbeiner, die zu unserer Unterstützung angereist waren, kamen da genau im richtigen Moment, ebenso wie ihre Umarmungen und die willkommene Gelegenheit, den zwei tierischen Freunden das Fell zu wuscheln.

Wir durften das Gebäude nur einzeln durch eine Drehtüre betreten, mussten durch einen Metalldetektor und selbst unsere Kunststoffflaschen abgeben – trotz Hinweis darauf, dass ich wegen meiner Medikation Probleme habe, wenn ich nicht ausreichend trinke. Während des Prozesses stellte ich dann verwundert fest, dass die Antragstellerin ihre Wasserflasche mit in den Saal genommen hatte. Ob da wohl jemand Angst hatte, dass sich in unseren Flasche explosive Stoffe befinden könnten?

Im Gerichtssaal waren zunächst zwei Beamte anwesend, später kam Verstärkung. Auf den Gängen hielten sich (Bereitschafts-)Polizisten auf. An dieser Stelle meinen ganz lieben Dank den Menschen von der Wiese – jenen, die uns begleitet haben und auch jenen, die in Gedanken bei uns waren und die uns später am Tag noch in den Arm nahmen und uns Kraft gaben. Hätten die Polizisten gewusst, dass die von ihnen scheinbar so Gefürchteten vier der liebsten Menschen sind, die wir kennen, wären sie vielleicht wieder abgefahren. 😉

Die Frau, die die einstweilige Verfügung erwirkt hat, tauchte mit ihrer Tochter und einem reichlich boshaften Anwalt auf, der es den ganzen Prozess über nicht lassen konnte, unaufgefordert irgendwelche Spitzen von sich zu geben. Die Richterin hat den Schriftsatz zum Widerspruch nicht bekommen, was der erste vieler Anlässe für eine seiner zynischen Bemerkungen war, die mein Schwager, der aus dem tiefsten Osten angereist war, um meinem Mann als Beistand zur Seite zu stehen, gelassen konterte.

Ich hätte meinen Zorn über diesen Rechtsverdreher am Liebsten laut heraus gebrüllt, aber ich wollte das Ende des Prozesses mitbekommen und nicht rausgeworfen werden. Anstatt zu schreien schrieb ich in meinen Notizblock „Axxx“. Bei der nächsten Bemerkung war ich froh, davor Platz gelassen zu haben für ein unbedingt notwendiges „widerliches“. Später ärgerte ich mich, „Axxx“ nicht auf die letzte Seite geschrieben zu haben. Den Platz davor hätte ich brauchen können…

Die Antragstellerin begann damit, dass sie von 6 Punkten, um die es ging, zumindest einen glaube beweisen zu können. Welch schlechter Scherz! Sie erwirkt im Eilverfahren eine Einstweilige Verfügung in 6 Punkten und „glaubt“ nach unserem Widerspruch einen davon beweisen zu können, während sie in der der Verfügung zugrunde liegenden Eidesstattlichen Versicherung noch bekundet hatte, alle 6 Punkte beweisen zu können!?

Ihr „Beweis“ bestand hauptsächlich aus einer Interpretation von Auszügen aus dem Tagebuch des Täters. Nicht nur, dass sie diese nicht einmal hätte besitzen, geschweige denn nutzen dürfen, ohne die Freigabe durch den Erben oder die Aufklärungskommission. Der Antragsgegner, Opfer sexueller Gewalt im Kindesalter und ihr Sohn, hatte mehrfach ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er sich mit den Inhalten der Tagebücher weder auseinandersetzen kann noch will. Mehrfach ist die Antragstellerin auch von Angehörigen, u.a. von mir, darauf hingewiesen worden. Sie hat es wieder getan.

Sie hat bereits vor der Aufnahme meines Mannes in die Akutklinik letztes Jahr im August diesen entgegen aller Warnungen immer wieder damit konfrontiert und die TB immer wieder als „Beweis“ anführen wollen und jegliche Warnungen ignoriert. Ihr ging es dabei offensichtlich darum, ihre vermeintlich weiße Weste reinzuwaschen. Als dies nicht gelang, ignorierte sie die Bitte nach Zeit und Ruhe erneut und schrieb ihren Kindern einen Brief, in dem sie ausführlich erläuterte, welch tolle Mutter sie doch war.

Auch im Gerichtssaal ist das Tenor… Was hat sie ihren Kindern nicht alles ermöglicht. Sie waren immer sauber gekleidet usw. usw. blablabla… Ja, vielleicht waren sie das. Allerdings kommen im Verfahren noch ganz andere Seiten zutage – völlig unabhängig von dem Vorwurf, den ihr ihre Söhne entgegen bringen und den zu äußern sie einem der beiden, meinem Mann Kolja, untersagen lassen hat.

Einige Male müssen die lieben Menschen neben mir auf der Bank schlucken, mehrfach sehe ich Tränen in ihren Augen glänzen, einige Male spüre ich Zorn in mir aufsteigen. Zu hören, dass es Menschen gibt, die ihre Kinder so behandeln, war – der sauberen Kleidung zum Trotz – schockierend.

Eine Mutter sagen zu hören, dass es „ein großer Fehler“ war, dass sie den Täter geschützt hat, anstatt ihn anzuzeigen, bringt die Luft im Saal zum stocken. Hinter mir höre ich einen der Polizisten zischend die Luft ausatmen, als klar wird, dass sie so nicht nur ihren ältesten Sohn und dessen Familie in Lebensgefahr gebracht, sondern auch alle darauf folgenden durch den Täter begangenen Vergewaltigungen an kleinen Jungs billigend in Kauf genommen hat. Beinahe im gleichen Atemzug zeigt sie mit dem Finger auf den Antragsgegner und wirft ihm vor, dass er sich gegen ihre psychischen Übergriffe gewehrt hat.

Ja, es gibt unterschiedliche Wahrnehmungen über den Zeitpunkt zu dem die Antragstellerin von der Vergewaltigung ihres ältesten Sohnes Kenntnis bekommen hat. Aber es steht die Erinnerung von zwei Betroffenen gegen die Erinnerung einer Mittäterin, denn zu einer solchen hat sich H.H gemacht, indem sie nicht nur den Täter nicht anzeigte, sondern auch aktiv eine Anzeige durch Dritte verhinderte.

Zu allen anderen Punkten als diesem, mit dem die Antragsstellerin beweisen will, dass sie nicht gewusst hat, zu wem sie ihren jüngsten Sohn schickt, hat sie nicht einen einzigen Beweis. Dennoch scheint sie selbst am Ende der Verhandlung, als der Antragsgegner mit Unterstützung seines älteren und selbst betroffenen Bruders einiges an Beweisen auf den Tisch gelegt hat, immer noch der festen Überzeugung zu sein, dass alleine die Tatsache, dass SIE diese Angaben macht, die berühmte Puppenspielerin, die Retterin der Roma, die Wohltäterin der Nation, reicht, um die Richterin davon zu überzeugen, einem Betroffenen verbieten zu lassen, über die furchtbaren Dinge, die ihm in seiner Kindheit zugestoßen sind zu reden und anhand seines Beispiels aufzuklären darüber, dass selbst Eltern von betroffenen Kindern zu Mitwissern und Mittätern werden.

Auch wenn das Urteil erst am kommenden Freitag gesprochen wird, weil die Richterin den umfassenden Schriftsatz des Antragsgegners erst durcharbeiten muss, waren doch alle – inklusive der vier Beamten, die mittlerweile im Saal waren – sichtlich froh, den stickigen Raum verlassen zu können.

Draußen wurde Dampf abgelassen, indem man das Verfahren Revue passieren ließ. Ich wünschte mir nicht sehnlicher als die Augen zuzumachen und irgendwo anders zu sein, wenn ich sie wieder öffne. Weit weg vom Gerichtsgebäude, den wieder abfahrenden Polizeiwannen und vor allem weit weg von diesem Thema, das seit Monaten unser Leben bestimmt. Ich will endlich Ruhe und Frieden, endlich wieder ein normales Leben.

Auf dem Rückweg entschlossen wir spontan, auf der Wiese vorbei zu fahren, wo uns viele liebevolle Blicke, Umarmungen und Solidaritätsbekundungen empfingen. Ein langer Spaziergang durch den überfluteten Wald lenkte die Gedanken in andere Richtungen, bliesen Zorn und Traurigkeit weg und als wir später im Rundbau saßen, hätte ich mich am Liebsten zusammengerollt und die Nacht auf dem alten Zweisitzer verbracht, umgeben von so viel Menschlichkeit.

Dem Ergebnis des Prozesses sehe ich mittlerweile recht gelassen entgegen, auch wenn es bedeuten könnte, dass wir auf Kosten sitzen bleiben, die wir nicht willentlich verursacht haben. Sie sind entstanden dadurch, dass wir für das Recht kämpfen, dass Betroffene ihre Geschichte erzählen und aufklären dürfen. Vielen ist das nicht möglich. Umso Wichtiger, dass es jene tun, die es können.

Ich habe die leise Hoffnung, dass dieser hässliche Prozess die Frau, die ich einmal meine Schwiegermutter nannte, zur Besinnung bringt. Vielleicht hört sie jetzt endlich auf, uns zu bombardieren mit Beifallsheischerei, Selbstmitleid und Westenwascherei. Sie hat geschwiegen als sie hätte reden sollen, das ist die eine Sache. Das hätte man ihr verziehen – irgendwann. Dass sie nie aufgehört hat zu lamentieren als sie besser geschwiegen hätte, selbst dann nicht, als man ihr erklärte, dass sie damit gegen die Stabilisierung ihres traumatisierten Sohnes handelt, ist unverzeihlich.“

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Bevor ich meinen Bericht über den Prozess jetzt abschließe, möchte ich noch mal kurz zusammenfassen worüber wir gesprochen haben:

Wir sprachen über meinen Bruder, der immer wenn ich ihn brauchte bedingungslos, rund um die Uhr für mich da war!

Wir sprachen über das Publikum, die lieben Menschen aus dem Hambacher Forst und meine Frau, in deren Schoß ich viele Tränen vergossen habe!

Wir sprachen über die Richterin FRAU JÖBGES, die weiß, das ich weiß, das sie die Wahrheit erkannt hat, und DIE doch NICHT WILLENS WAR EIN URTEIL ZU FÄLLEN, DAS ETWAS MIT DER WAHRHEIT ZU TUN HAT. Ich habe mich, aus Respekt vor dem Richteramt, dazu entschlossen, sie von Stund an nicht mehr Richterin zu nennen!

Wir sprachen über den Täteranwalt. Aber machen wir uns eins Bewusst, in einem Rechtsstaat muss es Anwälte geben, die die mutmaßlichen Täter verteidigen – nur ist es nicht ihre Aufgabe dabei den Opfern weiteren Schaden zuzufügen!

Bleibt nur noch H.H: Aber ich will nicht! Ich will sie nicht in einem Atemzug mit dem Anwalt und Frau Jöbges nennen, denn wenn sie sich auch nicht grade mit Ruhm bekleckert haben, so würde es ihnen doch nicht gerecht. Doch ich würde sowohl meinen Bruder wie auch meiner Frau und die Menschen aus dem Hambacher Forst beleidigen, wenn ich sie mit dieser Person in einem Atemzug nennen würde.

Aber ein paar Worte über H.H. möchte ich aber an dieser Stelle doch noch verlieren. Sie hat die meiste Zeit eigentlich nur Gejammer: “Warum lügst Du?“ Doch die Wahrheit war offensichtlich!

Als der Prozess zu Ende ging flehte sie doch noch ihre Tochter in den Zeugenstand rufen zu dürfen, und dass sie Dokumente nachreichen wolle… Sie verließ den Gerichtsaal als die geschlagene – und das war auch gut so!

Man könnte meinen, ich sei jetzt am Ende meiner kleinen Geschichte angekommen, doch weit gefehlt, denn ich habe noch nicht mal angefangen meine Geschichte zu erzählen. Den Titel meiner Erzählung habe ich sehr bewusst gewählt: Die letzte Instanz!

Der Prozess vor dem Amtsgericht war bereits die zweite Instanz in dieser Sache. H.H. hat schon einmal ein Gericht angerufen, ein Gericht das sie selbst installiert hat, zu dem sie den Richter ernannt hat, ein Gericht das sie in allen Punkten Schuldig gesprochen hat: Das Familiengericht!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

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