Ein Offener Brief an die heutige Schulleiterin und ihre Antwort

Wir haben eine Antwort vom Schulamt, zu finden am Ende dieses Beitrags. Zusammenfassend schreibt man uns, das wir gefälligst das Maul halten sollen!

© Chr. Koljar Wlazik

22.02.17

Sehr geehrte Frau Eydam

Wie ich festgestellt habe, haben sie es noch immer nicht für notwendig erachtet, der Geschichte der Elly-Heuss-Knapp-Schule das absolut entscheidende Kapitel hinzuzufügen: die Vergewaltigung von weit mehr als 100 Kindern, Begangen von dem Lehrer Erich Buß von Mitte der sechziger bis zu seiner Pensionierung 1995!

Da sie anscheinend entweder nicht in der Lage, oder nicht willens sind ihrer Internetseite ein entsprechendes Kapitel hinzuzufügen, werde ich ihnen in den nächsten Wochen einen Text zu diesem Thema zusenden.

Mit freundlichem Gruß

© Chr. Kolja(r) Wlazik

02.03.2017 um 13:50 erhielt ich folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr Wlazik,

ich nehme Ihren Brief gerne zum Anlass um Sie über die aktuellen Absprachen zu informieren, die Ihnen anscheinend nicht bekannt sind. Die Zuständigkeit für Ihre Fragen und Anliegen liegt bei Frau Burgsmüller und Frau Tillmann  sowie dem Staatlichen Schulamt in Darmstadt. Ansprechpartner dort sind Frau Scheuch-Ahrens und Frau Schug. Bitte wenden Sie sich mit Ihren Anliegen an sie.

Mit freundlichen Grüßen,

Bettina Eydam

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Ich bin ja ein Freund davon, die Menschen bei ihrem Namen zu nennen, In diesem Fall ist der Name aber unerheblich. Es ist das Schulamt, und die Namen sind austauschbar. Darum habe ich den Namen des Absenders Abgekürzt!

© Chr. Koljar Wlazik

Sehr geehrter Herr Wlazik,

von Frau Eydam wurde an mich zuständigkeitshalber eine Mail von Ihnen weitergeleitet, die ich Ihnen nun gerne beantworten möchte.

Anders als Sie in Ihrer Mail behaupten, beschäftigt das Hessische Kultusministerium, das Staatliche Schulamt der Stadt Darmstadt und die Elly-Heuss-Knapp-Schule sich intensiv mit der traurigen Geschichte dieser Schule. Unter Berücksichtigung vieler Faktoren wurde in vielen Gesprächsrunden im Zeitraum September 2016-bis heute eine umfassende Strategie entwickelt, die das Kapitel Buß und das Schicksal der vielen Betroffenen eben nicht vergessen lassen soll.

Um Professionalität und tatsächliche Aufarbeitung zu gewährleisten, haben wir uns externe fachliche Expertise zum Thema „sexueller Missbrauch“ eingeholt und in unsere Beratungen einbezogen. Dem Verein „Zartbitter e.V.“ haben wir gerade letzte Woche unsere Aufarbeitungsstrategie vorgestellt, welche uns persönlich von Frau Enders  mit dem Qualitätsstempel „sehr gut“ bewertet  wurde und als bundesweites positives Vorzeige-Aufarbeitungsmodell gehandelt wird. Um auch – und gerade ganz besonders – die Interessen und Meinungen der ehemaligen Opfer zu berücksichtigen,  stellte sich für uns Herr Diplompsychologe Thomas Schlingmann vom Verein Tauwetter zur weiteren Verfügung.

Gerne möchte ich Ihnen nun einige Auszüge dieser Aufarbeitungsstrategie darstellen:

·         Die Gutachtensachverständigen Frau Tilmann und Frau Burgsmüller sind nach wie vor seitens des Hessischen Kultusministeriums als Ansprechpersonen für weitere Opfer in Funktion und regeln die Schmerzensgeldzahlungen.

·         Frau Tilmann und Frau Burgsmüller gelten auch in Absprache mit dem Hessischen Kultusministerium, dem Staatlichen Schulamt und der Elly-Heuss-Knapp-Schule als Kontaktstelle zwischen Opferverbänden, einzelnen Opfern  und den beteiligten Institutionen, da sie als Gutachterinnen mit den Opfern in Kontakt stehen. D.h. sie haben den Auftrag mitgenommen, sich als Ansprechpartner weiterhin zur Verfügung zu stellen, um deren Anliegen in die beteiligten Behörden und die Schule (!) weiterzugeben.

·         Frau Tilmann und Frau Burgsmüller haben in einer Konferenz der Elly-Heuss-Knapp-Schule am 1.2.2017 sich in einen Austausch mit dem Kollegium der Schule begeben und sich persönlich einen Eindruck von der aktuellen Präventionsarbeit der Schule verschafft und was ganz wesentlich ist: sie haben den Opfern in dieser Runde eine Stimme gegeben und warben um Verständnis für deren dramatische Lebensgeschichte. Es wurde deutlich, dass das Kollegium sehr wohl der Geschichte der Schule einen Platz in der Historie gibt und sich mit höchstem Engagement den aktuellen Herausforderungen einer präventiven Kinderrechts- und Schutzarbeit der ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler stellt. Frau Tilmann und Frau Burgsmüller wurde auch am 1.2. die Präambel der Schule übergeben, verbunden mit dem Auftrag, diese an die Opfer weiterzugeben.

·         Frau Ursula Enders ( Zartbitter e.V.) wird im Rahmen eines 2-tägigen Besuchs / bzw. einer Hospitation ( voraussichtlich im Mai 2017) in der Elly-Heuss-Knapp-Schule sich einen persönlichen Eindruck von der Arbeit der EHKS verschaffen und ein Gutachten hierzu erstellen. So wird eine externe Bewertung des Kinderrechts-und Schutzkonzeptes der EHKS gewährleistet.

·         Nach Vorlage dieser externen Bewertung ist es von uns geplant, dass Herr Thomas Schlingmann ( Tauwetter e.V.) gemeinsam mit Frau Enders ein Dialogforum hier in Darmstadt moderieren wird, in dem das Thema der Erinnerungskultur erörtert und gemeinsam mit allen Beteiligten geplant wird. Der Ort dieses Dialogforums wird  das Staatliche Schulamt sein. Herr Schlingmann wird ins dieser Runde die Vertretung der ehemaligen Opfer übernehmen und deren „Stimme“ sein. Die Durchführung ist geplant im Sommer diesen Jahres.

·         Parallel zu diesen Aufarbeitungsprozessen auf den verschiedenen Ebenen arbeitet die EHKS weiter an ihrem Kinderrechts- und Schutzkonzept und steht hierzu im engen Austausch mit dem Staatlichen Schulamt und erhält hier Unterstützung der Schulpsychologin Frau Schug und meiner Person. Auch qualifiziert Wildwasser e.V. das Kollegium dieser Schule regelmäßig.

Mit dieser ausführlichen Darstellung hoffe ich, sehr geehrter Herr Wlazik, dass ich Ihnen einen Eindruck und Überblick über unsere Strategie mitteilen konnte. Ich und alle Beteiligten zum heutigen Tage sind uns bewusst, dass wir das Schicksal von Ihnen als ehemalige Opfer natürlich nicht rückgängig machen können. Unser Auftrag ist es hingegen, weitere Opfer im schulischen Alltag mithilfe gut funktionierender Kinderrechts- und Schutzkonzepte möglichst zu verhindern. Auch sind wir uns bewusst darüber, wie geschickt Täterstrategien heutzutage funktionieren.

Wie Sie sehen, nehmen wir unseren Auftrag als untere schulfachliche Aufsichtsbehörde sehr ernst und lassen uns von bewährten externen Expertinnen und Experten beleuchten, bewerten und beraten. Wesentlich ist uns auch, dass die Aufarbeitung nur auf der Grundlage von Fakten gemeinsam erfolgen kann, deshalb auch des externen Gutachtens zur EHKS sowie die  Anberaumung des Dialogforums.

Die Pädagoginnen und Pädagogen der EHKS nehmen aktiv und konstruktiv  den Auftrag an, die dort beschulten Schülerinnen und Schüler zu beschützen. Sie greifen  definitiv in angemessener kindlicher Form das Thema der Kinderrechte und des Schutzes des Körpers, Leib und Seele der Schülerinnen und Schüler im schulischen Alltag, auf ihrer Homepage und in der gesamten Öffentlichkeitsarbeit auf.

Bitte nehmen Sie auch für sich aus dieser ausführlichen Darstellung mit, dass Frau Tillmann und Frau Burgsmüller Ihre Ansprechpartner für Ihre Anliegen ist. Frau Tilmann und Frau Burgsmüller werden diese Anliegen dann an uns bzw. die Schule weitergeben. Deshalb möchte ich Sie bitten, freundlicherweise von weiteren Kontaktaufnahmen Ihrerseits abzusehen. Ihre Wünsche, Meinung und Stimme wird trotzdem gehört und eingebunden werden!

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

S. S.-A.
Beauftragt mit der Wahrnehmung schulfachlicher Aufgaben

Staatliches Schulamt
für den Landkreis Darmstadt-Dieburg
und die Stadt Darmstadt
Rheinstraße 95
64295 Darmstadt
Tel.: +49 6151 3682-330
Fax: +49 6151 3682-401

Internet: www.schulamt-darmstadt.hessen.de

 

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2 Kommentare zu Ein Offener Brief an die heutige Schulleiterin und ihre Antwort

  1. Rüdiger sagt:

    Im Präventationsprogramm der Elly wurde der Missbrauch erwähnt http://ehks-darmstadt.de/index.php/gewaltpraevention.html

  2. schweigensite sagt:

    Der Kommentar von Rüdiger ist bis heute die einzigste Reaktion seitens der Schule, gegenüber uns Betroffenen. Die E-H-K-S hat bis heute auf keine der Forderungen der Betroffenen reagiert. Im Gegenteil, man war stets bemüht uns nicht wahrzunehmen…

    Ein Kurzer Text in einer PDF, die man sich erst noch herunterladen muss, ist doch ein bisschen wenig. Wie es scheint ist man auch hier, wie vor 40 Jahren darum bemüht, dass möglichst keiner mitbekommt, was an dieser Schule geschehen ist!

    © Chr. Kolja(r) Wlazik

    Schule und Gesundheit Konzept Sucht und Gewaltprävention
    an der
    Elly-Heuss-Knapp-Schule
    Darmstadt

    Am 12.6.2013 in der Gesamtkonferenz beschlossen.

    Präambel Darmstadt im Oktober 2016

    Am 22.09.2016 wurde im Hessischen Kultusministerium der Bericht über die Aufarbeitung der sexuellen Missbrauchsfälle (1964-1992) an Schülern der Elly-HeussKnapp-Schule in Darmstadt übergeben.
    Wir, die Schulleitung und das Kollegium, sind tief betroffen über die Taten und deren Ausmaß und erschüttert über das Leid und Unrecht, das durch den Lehrer Erich Buß über die Schüler und ihre Familien gebracht wurde.
    Wir sprechen den Betroffenen unser tiefes Mitgefühl aus.
    Wir erkennen an und bedauern, dass es damals Versäumnisse auch seitens der Schule gab und Gelegenheiten, das Leiden zu beenden, nicht genutzt wurden.
    Zur Aufarbeitung der damaligen Ereignisse haben die gegenwärtige Schulleitung sowie Kolleginnen und Kollegen aus der früheren Zeit der Elly-Heuss-Knapp-Schule eng mit dem Aufarbeitungsteam Frau Tilmann und Frau Burgsmüller zusammengearbeitet.
    Für den Bericht wurden viele Gespräche in der Schule geführt und Dokumente und Unterlagen aus der damaligen Zeit zur Verfügung gestellt. Die Missbrauchsvorfälle sind in einer Chronik dokumentiert.
    Auf Seite 5 dieses Präventionskonzeptes findet man einen Link zur Aufarbeitungsgruppe, auf deren Webseite auch der vollständige Bericht veröffentlicht ist.
    Das bereits bestehende Präventionskonzept der Elly-Heuss-Knapp-Schule wurde als Reaktion auf die Vorfälle ergänzt und erweitert. Im Präventionsteam werden die Maßnahmen und Prozesse organisiert, gesteuert und evaluiert.
    Um Kinder so gut wie möglich zu schützen, sie zu stärken und dabei zu unterstützen, selbstbewusst und selbstbestimmt durch das Leben zu gehen, ist an der Elly-HeussKnapp-Schule Prävention im Schulprogramm und im schuleigenen Curriculum fest verankert.
    In jedem Jahrgang werden Präventionsprojekte durchgeführt, eine Erziehungsvereinbarung wird zwischen Eltern, Lehrern und Kindern geschlossen, das Kollegium und besonders die Präventionsbeauftragte nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil.
    Wir, die Schulleitung und das Kollegium sind uns der besonderen Verantwortung, die sich aus der Geschichte unserer Schule ergibt, bewusst und wir schauen mit großer Sorgfalt und Aufmerksamkeit auf unsere Schülerinnen und Schüler.

    Die Schulleitung und das Kollegium der Elly-Heuss-Knapp-Schule 2016

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