15 – Widerstand und Religion

Die meiste Zeit waren wir eigentlich nur am kiffen und am saufen… Und weil wir alle so schön brav waren und keine Bomben gebastelt hatten, durften wir uns auf kosten des Hauses ein Video ausleihen. Also wurde eine Vorschlagsliste erstellt und demokratisch gewählt: Wir wollten Rambo und bekamen Gandhi!

forest-1317205_1280

Dienstag 26.04.16

Erlaubt mir, dass ich heute etwas weiter aushole, da ich gerne viel schreibe, es mir hilft zur Ruhe zu kommen und es mir zum besseren Verständnis notwendig erscheint. Ich rechne auch damit, das ich über mehrere Tage verteilt, diesen Beitrag posten werde.

Als ich mich mit Anfang 20 freiwillig zum Zivildienst meldete, musste ich auch zu Staatsbürgerlehrgang. Zwei Wochen versuchte man uns zu erklären, dass wir doch bitte liebe Demokraten werden sollten und uns keinesfalls der RAF anschließen dürften. Die meiste Zeit waren wir eigentlich nur am kiffen und am saufen… Und weil wir alle so schön brav waren und keine Bomben gebastelt hatten, durften wir uns auf kosten des Hauses ein Video ausleihen. Also wurde eine Vorschlagsliste erstellt und demokratisch gewählt: Wir wollten Rambo und bekamen Gandhi!

Na ja, Ganghi war auch nicht schlecht – jedenfalls hab ich mir im Anschluss seine Autobiografie besorgt, und nach dem ich diese gelesen hatte und feststellte, dass Gandhi vielmehr ein religiöser Mensch als ein Bürgerrechtler war, hab ich mir eine recht brauchbare Ausgabe der Bhagavad-Gita gekauft. Auf diese Weise, ist der Hinduismus zu mir gekommen. Es war nicht so, dass ich mich dazu entschlossen hätte Hindu zu werden, vielmehr war es für mich unausweichlich!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Mittwoch 27.04.16

Diese Ausgabe der Bhagavad-Gita studierte ich so gründlich wie es mir nur möglich war. Auch begann ich nach weiteren deutschsprachigen Schriften zu suchen und aufzusaugen. Neben dem Schreiben hatte ich so eine weitere stabilisierende Konstante in meinem Leben gefunden!

Jahre später wurden meine Gebete erhört, und ich fand ich meine religiöse Heimat: Bhakti Yoga. Ich glaube diese Geschichte verdient es eigentlich erzählt zu werden.

Auf dem Trödel hatte ich eine Shiva Figur erstanden die ich seit dem eher schlecht als recht verehrte. Sie steht heute noch auf meinem Altar, hat sie doch mit dieser Geschichte eine besondere Bedeutung für mich gewonnen. Ich zündete nach Feierabend stets eine Kerze für Shiva an, und wenn ich betete auch ein Räucherstäbchen. Ich wusste damals nicht, was es war, dass mich immer wieder in die kalte und Dunkelheit hinabzog. Ich spürte nur, dass es Shiva war, der mir Kraft gab und mich immer wieder zurück ins Licht führte. Und so saß ich eines Abends, und betete um die absolute, reine, unverfälschte Liebe!

http://www.prabhupada.de/bg/Prabhupada%20-%20Bhagavad-gita%20Wie%20Sie%20Ist.pdf

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Donnerstag 28.04.16

Ich schlafe seit tagen nie mehr als zwei Stunden am Stück und hänge mittlerweile vollkommen in den Seilen. Mein Kreislauf kackt immer wieder mal ab und mir wird gelegentlich übel. Seit drei Tagen war ich auch nicht mehr im Hambacher Forst spazieren. aber was ich da so treibe, seht ihr hier:

© Chr. Kolja(r) Wlazik

13076628_1192245014133162_5289277763031038357_n

Freitag 29.04.16 – Samstag 30.04.16

… Mein Bruder hatte grade zu der Zeit aber die Angewohnheit, zu den Gottesdiensten der unterschiedlichsten Religionen und Konfessionen zu gehen. Samstags war er in der Synagoge um am Sonntag zum Gottesdienst der Zeugen Jehovas zu gehen… Auf diese Weise arbeitete er sich einmal quer durch Köln.

Und so kam es, da er von meine seit Jahren andauernde Begeisterung für den Hinduismus wusste, dass er mich eines Abends zum Essen einlud, aber absolut nicht verraten wollte, wo hin er mich auszuführen gedachte. In Köln – Kalk gab es ein sehr gutes vegetarisches Restaurant, nur einiges war hier etwas seltsam: Es gab keine Speisekarte sondern man fragte was es denn gab und auch die Getränkekarte war eher dürftig! Die Atmosphäre in diesem Restaurant war irgendwie anders – neben Essen bekam man hier auch einige Bücher und das „Personal“ hatte eine bemalte Stirn. Aber was einfach unfassbar war, ich bekam hier keinen Kaffee und rauchen durfte ich auch nicht!

Mein Bruder fragte, ob wir nochmal nach oben gehen durften. Vor einer, wie ein Kirchturmfenster bemalten Glastür, zogen wir die Schuhe aus und läuteten eine Glocke, die neben der Tür hing und dann betrat ich den Tempel und es war als hätte man mir mit einem Stock in die Kniekehlen geschlagen, denn ich sackte auf die Knie ohne dass es eine bewusste Entscheidung von mir gewesen wäre.

Mein Gebet war erhört worden: ich hatte sie gefunden, die absolute, reine, unverfälschte Liebe!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

11231266_1170754396285992_2844393859726855831_n

Sonntag 01.05.16

Seit über einer Woche schlafe ich nie mehr als Zwei Stunden am Stück. Nein Halt, eine Nacht habe ich es geschafft vier Stunden zu schlafen, ohne aufzuwachen.Schlafprobleme sind ein absolut klassisches Symptom einer PTBS!

Nun, ich war 17 Wochen in einer Traumaklinik, und mir sollte doch etwas einfallen, um meinen Schlafproblemen Herr zu werden, oder? Hier eine Liste mit Dingen, die mir etwas Helfen:

  • Nach dem Mittagessen keinen Kaffee mehr!

  • – Sehr viel Tee trinken. Vormittags trinke ich Hagebutten – und Nachmittags Kamillentee. Ich habe das in meiner Klinikzeit ritualisiert, zuhause aber schleifen lassen.

  • – Gegen Abend süße ich den Tee mit Lavendelhonig. Dazu gebe ich auf eine große Flasche flüssigem Honig etwa 10 Tropfen 100% ätherisches Lavendelöl (Primavera verkauft nur hochwertige Öle, da kann man nichts falsch machen) in den Honig. Man muss den Honig dann sehr lange durch drehen der Flasche mischen. Aber wenn man keine Erfahrung mit einem ätherische Öle hat, erst einen Allergietest machen. Einen Tropfen auf dem Unterarm geben, die Stelle mit einem Stift Kennzeichnen und 24 Stunden Beobachten. Wenn sich eine Rötung oder sonst etwas zeigt, Finger weg von dem Öl!

  • – Ab etwa zwei Stunden vor dem Schlafen gehen, Aufregung vermeiden. Keine Streitigkeiten beim Abendessen, keine Horrorfilme…

  • – Beruhigungstee oder Tabletten (frei verkäuflich, mit hohem Baldrian Anteil) etwa eine halbe Stunde vor dem ins Bett gehen hilft mir auch. Aber wirklich gut hilft das erst nach etwa einer Woche. Man kann auch eine, von mir sogenannte Baldrian-Kur über 4 bis 6 Wochen machen. Aber vermeidet Baldriantropfen! Die helfen zwar besser, haben aber 60 % Alkohol!

  • – Fernsehen sollte man eigentlich nicht zum einschlafen, ich tue es aber trotzdem. Wenn ich nicht einschlafen kann, schaue ich mir Dokus an, am besten welche, die ich schon mehrfach gesehen habe, dabei kann ich oft gut einschlafen.

  • – Ich tropfe mir an der Kopfseite meiner Bettdecke, an jeder Seite je zwei Tropfen Lavendelöl und zwei Tropfen Ylang – Ylang (Allergietest nicht vergessen). Diese ätherischen Öle haben eine beruhigende Wirkung!

  • – Ich versuche diese Dinge zu Ritualisieren, da sie dann deutlich besser helfen!

  • Hilft mir das? Ja ein bisschen! Aber ich Schlafe trotzdem schlecht und wache immer wieder schweißgebadet auf. Na ja, als ich gestern das volle Programm durchzog, da war es nicht ganz so schlimm. Wunder dauern eben etwas länger…

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Dienstag 03.05.16

Ich habe heute nicht viel zu schreiben. Ich hänge ziemlich in den Seilen. Jeder Arzt würde mir in meiner derzeitigen Situation sofort ein Schlafmittel verschreiben, das mich sofort ausnockt, ich glaube aber, die von mir beschriebenen, sanfteren Mittel werden helfen. sie brauchen einfach noch ein paar Tage um ihre volle Wirkung zu entfalten. Was ich bereits bemerkt habe: Nachdem ich von Baldriantabletten auf Tee umgestiegen bin, schlafe ich bereits etwas besser. Bereits während meines Klinikaufenthalts habe ich diese Erfahrung gemacht.

Meine körperliche Leistungsfähigkeit liegt irgendwo zwischen 10 und 40 % vom Normalzustand.

Mein Hausarzt hat mir Citalopram – 20 mg verschrieben, das ich mit dem Frühstück einnehme. Citalopram ist ein Serotonin Wiederaufnahmehämmer der mit einer halben Tablette täglich. eingeschlichen wird. Es soll mir ein bisschen auf die Beine helfen!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Mittwoch 04.05 16 – Mittwoch 11.05.16

OK, das Gesamtpaket hat ein wenig geholfen: Ich schaffe es wieder sechs Stunden am Stück zu schlafen! Ich schlafe noch immer im Wohnzimmer, da wir am renovieren sind, der Rest der Familie im Ehebett schläft und ich niemanden wach machen will wenn ich Nachts nicht schlafen kann. Es riecht dort inzwischen fürchterlich nach Lavendel und Melisse. Der allabendliche Baldriantee (in Verbindung mit Lavendelhonig) entfaltet inzwischen seine Wirkung, aber das er ein paar Tage dazu braucht ist vollkommen normal.

Ich war aber auch so was von neben der Spur, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Weder Körper noch Kopf haben noch funktioniert. Na ja, so langsam geht es wieder aufwärts, auch wenn ich mich noch ein bisschen schone und mir gerne mal einen Tag länger für eine Arbeit von einer Stunde Zeit nehme. Aber das muss wohl so sein, denn ich habe das Gefühl, ich muss erst mal wieder ein bisschen Kraft tanken!

Nachtrag:

Geht mir schlechter, seit über einem Jahr habe ich das erste mal wieder Flashbacks. Keine Ahnung warum? Fühle mich auch ängstlich und depressiv…

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Montag 16.05.16

Seit dem vergangenen Donnerstag wird mein Leben weitgehend von der Klage Der Frau die mir ihre Gene zugemutet hat, bestimmt. Freitag hatte ich wieder Therapie. Wir haben uns um den kleinen, acht jährigen Kolja gekümmert und kamen zu dem Ergebnis, dass er Zuhause bei seiner „Mutter“ nicht mehr sicher ist, und ich habe ihn da weggebracht. Wir haben uns dazu entschlossen, das ich ihn in die Gegenwart, zu meinem großen Bruder bringe. Ich glaube, das ist der Ort, wo der kleine Kolja in Sicherheit ist, und wo liebe Menschen sich um ihn kümmern. Nun trainiere ich, ihn binnen Sekunden dort hinzubringen, wann immer er sich, verängstigt und verzweifelt in mir meldet.

Samstag auf Sonntag habe ich nur 2,5 Stunden geschlafen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass es wieder sehr viel schlimmer wird, aber letzte Nacht hab ich denn 8,5 Stunden wie ein Murmeltier gepennt.

Heute war ich dann den ganzen Tag mit der Klage beschäftigt. Das Ergebnis sehen sie hier:

http://www.das-schweigen-brechen.org/?p=196

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Donnerstag 26.05.16

Ich denke, es wird Zeit, das ich endlich meine Pflicht erfülle. Ist Pflicht das richtige Wort? Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass es Zeit für mich wird – Zeit zu dienen.

Lange habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, womit ich His Holiness Krishna Mangala Swami einen Dienst erweisen könnte.

Finanzielle Unterstützung kann ich nicht leisten.

Reisen organisieren? Dazu fehlen mir die Erfahrung und die notwendigen Verbindungen.

Übersetzungen? Ich kann kein Englisch, wie soll ich da übersetzen…

Ich bin die ganze Zeit nur dabei, zu erklären, warum ich was nicht kann. Ich finde mich absolut erbärmlich – nun, wenn ich wirklich nichts kann, dann muss ich eben etwas tun, was ich nicht kann.

Ist denn, His Devine Grace Krishna Mangala Swami wirklich auf einen Dienst von mir angewiesen? Nein, mit absoluter Sicherheit nicht. Es ist vielmehr so, dass ich darauf angewiesen bin, ihm dienen zu dürfen. Aber welche Qualifikation habe ich, ihm diesen Dienst darzubringen?

Keine! Ich bin vollkommen unqualifiziert für diese Aufgabe. Ich könnte jetzt sagen, ich habe aber doch die Bhagavad-Gita gelesen, das Bhagavatam und und und, ist das alles nichts? Ja, denn mein Wissen war nur in meinem Kopf, in meinem Herzen ist aber verdammt wenig angekommen. Ich habe über zehn Jahre gebraucht, um zu vergessen, was ich wusste, Jetzt bin ich leer und alles, was ich habe, ist meine Liebe.

Ich kenne nur wenige Menschen, die so beschissen Englisch sprechen wie ich und ich würde es nie wagen, vom Deutschen ins Englische zu übersetzen. Aber vom Englischen in die Muttersprache mag es wohl gehen, zumal es jede Menge Übersetzungsprogramme gibt…

Ich höre seine Worte, und tief in mir wird mein Herz in Schwingung versetzt. Seine Worte machen mich fassungslos und treiben mir die Tränen ins Gesicht. Die selben Worte von einer anderen Person würden mich wohl kalt lassen.

Das ist meine Qualifikation: Mein Kopf ist leer und in meinem Herzen sind nicht mehr als ein oder zwei Worte, die ich vielleicht verstanden habe. Und doch war His Holiness Krishna Mangala Swami so barmherzig, mir Folgendes zu antworten, als ich mit ihm über diesen Dienst sprach: „Whatever service you offer, I will gladly accept that with love.“

„Welchen Dienst auch immer Du mir anbietest, ich werde ihn in Liebe annehmen!“

Bitte betet für mich, damit ich mich würdig erweise und an meiner Aufgabe wachse.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Dieser Beitrag wurde unter Mein Weg der Heilung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.