12 – Früherkennung und disfunktionale Verhaltensweisen

Wäret den Anfängen!

Egal ob Flash back oder Dissoziation es gilt die Früherkennung zu schärfen. Nur in den seltensten Fällen fällt man ohne anzuklopfen mit der Tür ins Haus, in aller Regel kündigt man sich an! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich, sowohl der Flashback, wie auch die Dissoziation ankündigt. Oft hat man nur sehr wenig Zeit, um zu intervenieren, aber wenigstens ein paar Sekunden bleiben einem.

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Dienstag 10.11.15

Disfunktionale Verhaltensweisen!

Etwas. Was mir hier während der Therapie in der Psychotraumatologie in Krefeld klar geworden ist, dass ist die Bedeutung der disfunktionalen Verhaltensweisen in Verbindung mit PTBS. Grob vereinfacht kann man sagen, das darunter alles fällt, was einem kurzfristig Entspannung, Erleichterung und Vergessen beschert, aber einem mittel – und langfristig schadet.

Als erstes möchte ich da die üblichen Verdächtigen nennen: Alkohol und Drogen! Wenn man nur die Zahl der Alkohol und Drogentoten, die wir in Verbindung mit sexueller Gewalt zu beklagen haben, ermitteln könnten, dann wäre sehr vieles anders! Aber auch vermeintlich harmlose Drogen wie Tabak, Kaffee und Cannabis ruinieren immer wieder die Leben von uns Betroffenen.

Aber auch die Ernährung steht bei den disfunktionalen Verhaltensweisen ganz vorne. Ich beispielsweise habe immer zwei Tafeln Schokolade und eine Tüte Gummibärchen in meinem Nachttischschränkchen. Niemand, der mich kennt wird behaupten, das mein Bauch gesund sein kann. Wer mag kann ja mal googeln welche gesundheitlichen Risiken im Zusammenhang mit Übergewicht aufgeführt werden… Aber selbstverständlich darf auch das andere Extrem nicht vergessen werden, Magersucht! Ich weiß von einem Menschen, der täglich mehrere Stunden Läuft und sich dabei nur von Salat, Honig und Leinsamen ernährt. Klingt erst mal Gesund, aber die Mangelerscheinungen waren bereits im Blutbild deutlich zu finden!

Disfunktional kann grundsätzlich alles sein! Wenn man mal von Alkohol und Drogen absieht, kommt es eigentlich nur auf die Dauer und die Dosierung an. Nehmen wir die von mir geliebten Chilischoten: Sie sind einer meiner sichersten Skills! Als einer der letzten Möglichkeiten aus einem Flash back raus zu kommen wirken sie bei mir eigentlich immer. Wenn ich aber wie ein bekloppter anfangen würde Chilischoten zu fressen, dann würde mir wohl die Magenschleimhaut weg fliegen!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Mittwoch 11.11.15

Disfunktionale Verhaltensweisen, also Verhaltensweisen, die kurzfristig Erleichterung verschaffen, aber Langfristig schaden, stellen eine hohe Hürde auf dem Weg der Heilung da. Es gibt wohl Einzelfälle, bei denen trotz disfunktionalen Verhaltensweisen der Weg der Heilung beschritten werden konnte, aber im Regelfall wird man doch durch disfunktionale Verhaltensweisen immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückgezerrt.

Ich selbst kann hier nur authentisch von meiner Alkoholabhängigkeit berichten, ich denke, vieles ist übertragbar. An dieser Stelle bin ich ein bisschen versucht als erstes eine Propagandaplatte aufzulegen wie schlimm doch der Alkohol ist – aber das hilft an dieser Stelle niemanden weiter. Es reicht vollkommen zu wissen, dass ich extrem unter meiner Alkoholabhängigkeit gelitten habe, und doch lange nicht davon los kam. Das Leiden, dass ich mit dem Alkohol betäubte, schien mir unendlich viel schlimmer als der Alkohol selbst.

Aber irgendwann dreht sich das Ganze und litt nur noch unter dem Alkohol. Ich brauchte aber doch noch zwei Jahre, bis ich dann endgültig den Alkohol hinter mich ließ. Entscheidend ist aber auch hier, dass man den ersten Schritt geht und dann einfach einen Schritt nach dem anderen. Wer aber glaubt, die harten disfunktionale Verhaltensweisen ohne professionelle / Selbsthilfe überwinden zu können, der handelt fahrlässig!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Donnerstag 12.11.15

Funktionale Verhaltensweisen!

Wenn es disfunktionale gibt, dann muss es auch funktionale Verhaltensweisen geben. Und tatsächlich gibt es da eine Menge, doch ich denke es gilt als erstes etwas grundsätzliches zu verstehen: Der Raum mit den sechs Türen!

Noch einmal eine kurze Erklärung: Der Raum ist mein Kopf und das kleine Kerlchen darin, mit all seinen Aktenordnern ist mein Gehirn, für die Funktionalen Verhaltensweisen sind aber die sechs Türen von besonderer Bedeutung! Das was uns quält befindet sich in diesem Raum, versteckt in dem Ordner „streng geheim – nicht öffnen“ und vollkommen egal auf welche Weise wir gepeinigt werden, es gilt Reize von außen dagegen zu setzen. Außen meint in diesem Zusammenhang alles was nicht direkt aus dem Gehirn selbst kommt.

Über Dissoziation kann ich nur wenig bis gar nichts sagen, da ich unter diesem Symptom zwar vor 40 Jahren massiv litt, seit dem aber nicht mehr – und Gott gebe dass es so bleibt. Zu den Flashbacks weiß ich aber einiges zu sagen. Zum Verständnis: traumatische Erinnerungen werde in den selben Hirn Arealen bearbeitet, wie gegenwärtige Sinneseindrücke! Während eines Flashbacks rieche, schmecke und spüre und sehe ich was damals geschah und befinde mich doch in der Gegenwart!

Der Hippocampus, ein Teil vom Limbischen System, wird während eines Flashbacks erneut überreizt, geschädigt und kann noch immer nicht vernünftig einordnen was ihm da serviert wird.

Wenn man aber einen starken Reiz von außen setzt, dann ist es möglich den Flash back zu beenden!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Freitag 13.11.15

Heute hatte ich meine zweite EMDR und da ist so viel hochgekommen, dass ich heute keine Worte finde. Deswegen heute viel Heilung aber kein Beitrag!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Samstag 14.11.15

Wäret den Anfängen!

Egal ob Flash back oder Dissoziation es gilt die Früherkennung zu schärfen. Nur in den seltensten Fällen fällt man ohne anzuklopfen mit der Tür ins Haus, in aller Regel kündigt man sich an! Auch wenn es 40 Jahre her ist, so glaube ich aus eigener Erfahrung sagen zu können, dass sich, so wie der Flashback, auch Dissoziation ankündigt. Oft hat man nur sehr wenig Zeit, um zu intervenieren, aber wenigstens ein paar Sekunden bleiben einem.

An dieser Stelle höre ich euch schon schreien: „Du hast ja keine Ahnung, da ist überhaupt keine Zeit, ich bin sofort und ohne Ankündigung weg…“ Ich sage: Falsch! Wer sofort weg ist, egal ob Flash back oder Dissoziation, der hat nur noch nicht gelernt die Signale Wahrzunehmen und zu deuten! Am Beispiel einer Rutsche möchte ich verdeutlichen was ich meine, bevor man mich für die Arroganz, die in meinem letzten Satz mitschwingt, steinigt.

Meine persönlichen Erfahrungen mit Dissoziation sind inzwischen 38 Jahre her, aber mit Flashbacks kenne ich mich besser aus als mir lieb ist. Ich hatte bis heute keinen einzigen Flashback, der sich nicht angekündigt hätte. Die Gedanken kreisen und die Emotionen werden schwerer – sie scheinen in einander zu fließen und plötzlich sehe ich sein widerliches Genital vor mir…

Das ganze ist wie auf einer sehr großen Rutsche: Zu Beginn bewegt man sich langsam, kaum wahrnehmbar, dann wird die Rutsche steiler und es geht schneller bergab! Wenn ich am Anfang, mit nur geringem Kraftaufwand ein Abrutschen verhindern kann, so wird es mit jeder Sekunde die ich verstreifen lasse, immer schwerer, bis es fast unmöglich ist.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Sonntag 15.11.15

Wenn wir auf der Rutsche sitzen und es langsam bergab geht, dann sollte es uns klar sein, dass es kein Spaß ist was da kommt, sondern uns auch heute noch Schaden zu fügt. Wir sollten also so viel Techniken wie nur irgend möglich beherrschen um Flashback und Dissoziation zu durchbrechen. Was man mit jeder Technik letztendlich tut, ist das Gehirn mit etwas anderem zu beschäftigen.

Man kann alle uns zur Verfügung stehenden Techniken grob in drei Bereiche einteilen: Techniken die das Gehirn selbst betreffen (z.B. Mathematikaufgaben lösen), die die Sinnesorgane nutzen (z.B. Chilischoten lutschen) und Techniken die uns der Körper zur Verfügung stellt(z.B. Atemübungen)!

Weiter sollten wir die Techniken, die wir beherrschen ebenfalls grob in drei Bereiche einteilen: leicht. mittel und stark! Um noch mal auf das Bild mit der Rutsche zurückzukommen, wenn ich noch oben sitze brauche ich nur wenig Kraft, um nicht runter zu rutschen. Habe ich aber bereits volle Fahrt aufgenommen so kostet es doch erhebliche Anstrengungen wieder zu stoppen! Wenn ich bemerke, dass mein Gedankenkarussell startet, reagiere ich sofort mit Atemübungen, hilft das nicht, habe ich in der rechten Hosentasche Aroma Öle zum riechen und wenn das auch nichts Hilft greife ich in die linke Hosentasche um mir ein kleines Stück Chilischote in den Mund zu stecken. Würde ich die Chilischote gleich zu beginn nehmen, dann würde wohl rasch eine Gewöhnung einsetzen, so dass sie ihre Wirkung letztendlich verlieren würde.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

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