08 – Ankunft in der Reha

Es gibt ihn eben, diesen nächsten Schritt auf dem Weg, den man gehen muss. Wenn ich auf der linken Straßenseite meinem Ziel zustrebe, kann ich ja auch nicht meinen Fuß beim nächsten Schritt auf den rechten Bürgerteig setzten. Ihr könnt es ja mal versuchen, jede Wette, ihr fallt dabei gehörig auf die Schnauze!

Lieber Leser,

in diesem Beitrag sind einzelne Wörter durch das ersetzen der Buchstaben durch X unkenntlich gemacht. Die Verbreitung dieser Aussagen wurde uns mit Beschluss vom Amtsgericht Siegburg Aktenzeichen: 107 C 68/16 untersagt.

Hier geht es zum Beschluss des Amtsgerichtes

http://das-schweigen-brechen.org/onewebmedia/Gerichtsbeschluss%20Unterlassung%20Kolja.pdf

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Dienstag 06.10.15

Heute habe ich nur ein paar liebe Grüße!

Übermorgen geht es in die Reha und ich hab noch jede Menge zu tun bis ich los kann. Mein Weg der Heilung ist der Weg des Schreibens. Die letzten 2 Wochen war ich weitestgehend damit beschäftigt, Emails und weitere schriftliche Quellen zu sortieren und in einem Dokument zu ordnen, damit mit ich sie im Rahmen meiner Aufarbeitung bearbeiten kann. Und da wartet eine Menge Arbeit auf mich, denn der Schriftverkehr umfasst über 90 Seiten!

Ohne diese Ordnung ist eine offensive, öffentlich verwertbare Aufarbeitung aber nur schwer bis gar nicht möglich. Offensiv und öffentlich muss es für mich aber sein!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Mittwoch 07.10.15

So ihr lieben, heute gibt es keine Heilung. Ich werde mich jetzt eine Stunde aufs Ohr hauen und danach spiele ich: Ich packe meinen Koffer! Danach hab ich noch so einiges an Kram zu erledigen, den ich in den vergangenen 2 Wochen ein wenig Vernachlässigt habe. Und mit sehr viel Glück bekomme ich noch ein paar Stunden Schlaf, bevor ich morgen Früh los muss…

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Donnerstag 08.10.15

Ich habe sie noch gefunden, die paar Stunden Schlaf, aber mein Wecker musste mich heute Morgen schon überreden aufzustehen. Ich schlafe seit etwa einer Woche wieder deutlich schlechter.

Der Zusammenhang zwischen Schlafproblemen und Trauma-Bearbeitung ist mir aber vollkommen klar. Es überrascht mich nur immer wieder, wie direkt ich reagiere: Ich fange an ein Thema zu bearbeiten, und ich schlafe schlecht! Als ich mich beispielsweise damit beschäftigte, den Wander-Blog meiner Erzeugerin wieder herzustellen, in dem ich die, auf meinem altersschwachem Tab gespeicherte, aber leider nicht kopierbare Datei abzutippen, bekam ich dies direkt zu spüren. Nachdem ich, immerhin neun Seiten Abgetippt hatte, und auf Grund der psychischen Belastung drei Tage dafür gebraucht hatte, verbesserte sich mein Schlaf nahezu sofort. Die scheinbar logische Schlussfolgerung ist dann ja wohl, sich einfach nicht mehr mit derart belastenden Themen zu beschäftigen. Manchmal wünschte ich, ich könnte diesen Weg gehen, ich kann aber nicht!

Es gibt ihn eben, diesen nächsten Schritt auf dem Weg, den man gehen muss. Wenn ich auf der linken Straßenseite meinem Ziel zustrebe, kann ich ja auch nicht meinen Fuß beim nächsten Schritt auf den rechten Bürgerteig setzten. Ihr könnt es ja mal versuchen, jede Wette, ihr fallt dabei gehörig auf die Schnauze!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Freitag 09.10.15

Seit gestern bin ich jetzt wieder in Krefeld, aber nicht auf der Akut-Station, sondern in der Reha. Hier sind die Wohngruppen sehr viel kleiner. Es leben immer sechs Patienten in einem Haus in so einer Art WG. Das kann vielleicht sehr gut sein, wenn die Gruppe gut miteinander kann, es kann aber auch die totale Katastrophe sein. Es ist die totale Katastrophe! Kann man sich in einer größeren Gruppe aus dem Weg gehen, wenn man auf Grund seiner PTBS Probleme mit einer anderen Person hat, so kann man das in der Kleingruppe nicht.

Im Augenblick triggern wir uns hier in der Gruppe ein bisschen gegenseitig an. Gleich mehrere Gruppenmitglieder fühlen sich von mir angetriggert. Auf absolut vorbildliche Art wurde darüber gesprochen, und doch triggerte mich das in einer Heftigkeit an, wie ich es schon seit Monaten nicht mehr erlebt hatte. Mein Problem ist nicht die Reha-Gruppe hier, mein Problem liegt in meiner Ursprungsfamilie. Ich rutschte in einen Flash back der super Heftig war. Nicht der Flash back selbst, sondern die Tatsache, dass ich ihn überhaupt nicht kontrolliert bekam war hart für mich!

Wichtig für mich, ist in dem Zusammenhang, dass ich zu ergründen versuche, warum ich so Heftig darauf reagiere und nicht einfach irgendwelche Ablehnung in andere hineininterpretiere. Und ich weiß ganz genau, was es war was mich 40 Jahre zurück versetzte: Familien-Tribunal!

Frau Schaitan -Hafeman berief bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine sogenannte Familienkonferenz ein. Da ging es nur scheinbar darum familiäres zu klären und Streitigkeiten zu schlichten – nein, Sinn und Zweck des ganzen war es sich einen raus zu suchen der dann fertig gemacht wurde! Na, morgen ist Wochenende, dann ist es hier sehr viel ruhiger und nächste Woche sieht dann alles wieder anders aus, schon weil wir zwei Abgänge und somit auch zwei Neuzugänge haben werden!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Samstag 10.10.15

Nachdem es mir gestern ziemlich schlecht ging und ich nur sehr schwer einen Weg nicht nur aus den Flash backs, sondern auch aus einer depressiven Grundstimmung, die damit einher ging, fand, will ich heute zu aller erst mal berichten, was mir aus meinem Tief heraus half: Aromatherapie! Zitrone und Orange!

Bevor man mit Aroma-Ölen arbeitet, sollte man einen Allergietest machen. Einen Tropfen auf die Innenseite des Unterarms, die Stelle mit einem Stift markieren und 24 Stunden beobachten, ob sich Haut Irritationen zeigen. Des weiteren dürfen manche Aroma-Öle nicht bei Schwangeren, Kindern… angewandt werden. Beim Kauf von Aroma-Ölen ist peinlich genau darauf zu achten, das es sich um 100% ätherische Öle handelt. Alle anderen Duft-Öle kann man nur ins Klo kippen, da man nur Kopfweh davon bekommt!

Ich will mal schauen, ob ich nicht eine gute Internet-Seite finde.

Und hier eine Übersicht über Aroma-Öle: http://lexikon-der-aromatherapie.de/

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Sonntag 11.10.15

Immer mal wieder frage ich mich, warum mein Weg ein offener ist? Ich kenne Niemanden, der vom ersten Tag, da er von seiner Vergewaltigung wusste, derart offen damit umgegangen wäre. Einige finden, wenn sie eine gute Trauma-Therapie abgeschlossen haben, zur Offenheit. Aber selbst wenn ich diesen Personenkreis dazu zähle, so bewegen wir uns immer noch im Promille- Bereich.

Ich glaube, dafür gibt es drei Gründe:

1. Als ich vor 22 Jahren mit dem Saufen aufhörte, habe ich die Erfahrung gemacht, das ein offener Umgang mit meiner Suchterkrankung von meinem gesamten Umfeld ausschließlich positiv aufgenommen wurde.

2. Ich habe in Andreas Ratz, Anton Rudolf (Name nachträglich geändert) und Robert Collister (Name geändert) Vorbilder, die bewiesen haben, das man sehr viel erreichen kann, wenn man bereit ist mit offenem Visier anzutreten.

3. Ich wurde sehr früh mit der Frage konfrontiert ob ich mit meinem Klar-Namen oder unter einem Pseudonym agieren wollte.

Ich will gar nicht verhehlen, das auch ich einen Preis für meine Offenheit zu bezahlen habe. Meine Ursprungsfamilie ist in zwei verfeindete Lager zerbrochen: No Name ist für mich nur noch, eine Fremde mir sehr unsympathische Person mit der ich nie wieder etwas zu tun haben möchte. Frau Schaitan-Hafeman habe ich verstoßen, da sie damals wie heute, jeder Zeit bereit ist Xxxxx xxx Xxxxxx xxxxx Xxxxxx xx Xxxxxx, xxx xxx xxxxx Xxxxxxx xxx xxxx xxxxx xxxxxxxxxxxxxx xxxx.

Aber wie hoch ist der Preis, den man zu bezahlen hat, wenn man den „geheimen“ Weg geht? Ich weiß es nicht, denn für mich stellte sich diese Frage niemals wirklich…

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Montag 12.10.15

Seit Donnerstag bin ich jetzt stationär in der Reha, in der Psychotraumatologie der Alexianer Krefeld. Diese Woche möchte ich über den Alltag etwas genauer eingehen.

6:30 Uhr Wecken Hier weckt einen keiner, man muss sich seinen Wecker schon selber stellen.

6:45 bis 7:00 Uhr Sprechzeit Pflegedienst. Die Pfleger (Krankenschwestern) sind nur zu bestimmten Zeiten greifbar. In Notfällen erreicht man natürlich immer jemand, zumal die Akut-Station direkt im Nachbar-Gebäude untergebracht ist.

7:30 bis 8:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe. Andre Leute sagen Frühsport dazu. Und wehe jemand verrät, dass ich Sport mache, mein mühsam erarbeiteter Ruf als Bewegungslegasteniker wäre dahin!

8:00 bis 8:30 Uhr Frühstück!

Von 9:00 bis 9.20 hatte ich Einzeltherapie, und wen wundert es: Fragen beantworten! Aber die Fragen werden immer genauer, die Psychologin fragt auch genauer nach, was in der Kindheit war.

09:15 bis 10:00 Uhr Schlafgruppe! Hierbei handelt es sich leider nicht um ein verfrühtes Mittagsschläfchen, sondern es geht um die verschiedenen Schlafphasen und was man für einen erholsamen Schlaf tun kann.

11:00 bis 12:15 Uhr Ergotherapie: basteln, malen stricken…

12:00 bis 12:30 Uhr Mittagsessen! Schmeckt scheiße wie immer.

13:00 bis 14:15 Uhr Themenorientierte Ergotherapie! Da nehme ich nicht daran Teil, weil ich die Zeit lieber zum Schreiben nutze. Die Teilnahme ist nicht Pflicht.

14:30 bis 15:00 Uhr Einzelvisite! Na ja, man hat halt einen Termin beim Arzt. Die meisten sprechen ihre Medikation ab. Ich nehme aber neben Baldrian und Aromatherapie nichts.

15:30 bis 16:00 Uhr Medikamententraining & Sprechzeit Pflegedienst!

17:30 bis 18:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

18:15 bis 18:30 Uhr Sprechzeit Pflegedienst!

18:30 bis 19:00 Uhr Abendessen!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Dienstag 13.10.15

Von meiner Therapeutin bekam ich als Hausaufgabe auf: Benenne 3 Dinge die dir geholfen hat! Hier ist mein Text:

Was mir geholfen hat

Ich erlaube mir chronologisch zwischen der Zeit vor der Akut-Station und während und nach der Akut-Station zu differenzieren.

Vor der Akut-Station

In der ganz harten Phase, vom 24.03.15 bis zum 26.03.15 gab es nur den Namen Beate, den ich in den Flashbacks rief. Beate war damals meine Therapeutin, und ist nun seit 40 Jahren Freundin und der Mensch, dem ich mehr vertraue, als jedem andern. Während meiner aller heftigsten Flash backs rief ich: „Beate, halt mich fest, damit ich endlich in Frieden weinen kann!“

Mein Bruder, der in den Monaten tatsächlich 24 Stunden täglich erreichbar war.

Der sichere Ort und das über kreuz tippen, dass mein Bruder mit mir machte, wohl um mir die Möglichkeiten einer Therapie zu vermitteln.

Während und nach der Akut-Station

Aromatherapie und Chilischoten

Benenne 5 Dinge die man sehen, hören, riechen oder fühlen kann

Myoreflex-Therapie

Kurzes spazieren Gehen und chanten, eine Mantra-Meditation (sicherer Ort)

Umgebung kontrollieren (Wand im Rücken)

Atem-Übung

Trauma-Konfrontation

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Mittwoch 14.10.15

Heute und morgen werde ich, wie ich es bereits für die Zeit auf der Akut-Station getan habe, einen kompletten Wochenplan einstellen. Ich bereinige ihn nur von Essenszeiten (drei mal täglich) und den Zeiten für die Sprechzeit Pflegedienst, ebenfalls drei mal täglich.

Freiwillige Angebote gibt es folgende:

Montags 13:00 bis 14:15 Uhr Themenorientierte Ergotherapie!

Dienstags 14:15 bis 15:30 Uhr Gartengruppe! Dieses Angebot findet parallel zur Basalen Stimulation statt und ich würde niemandem empfehlen Basale Stimulation abzuwählen.

Mittwochs 17:30 bis 19:30 Uhr Schwimmen!

Sonntags 9:00 Uhr Gottesdienst!

Darüber hinaus gibt es einiges an Einzelterminen, die generell Vorrang haben. Heute hatte ich beispielsweise Myoreflex Therapie… Auf die einzelnen Angebote und wie es mir damit geht, werde ich dann in den nächsten Tagen und Wochen eingehen.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Donnerstag 15.10.15

Hier der Wochenplan:

Montag

07:30 bis 08:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

09:15 bis 10:00 Uhr Schlafgruppe

14:30 bis 15:00 Uhr Einzelvisite

15:30 bis 16:00 Uhr Medikamententraining

17:30 bis 18:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

Dienstag
07:30 bis 08:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

09:15 bis 10:00 Uhr Psychotherapie-Gruppe

10:00 bis 11:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe Männer

12:30 Bis 13:30 Uhr Depressionsbewältigungsgruppe

14:15 bis 15:00 Uhr Basale Stimulation

15:30 bis 16:30 Uhr Angstbewältigungsgruppe

17:30 bis 18:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

Mittwoch

07:30 bis 08:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

08:30 bis 08:45 Uhr Vorbesprechung Milieu therapeutische Gruppe

12:30 bis 13:30 Uhr Soziales Kompetenz Training

14:15 bis 14:30 Uhr Nachbesprechung Milieu therapeutische Gruppe

15:15 bis 16:00 Uhr Entspannungsgruppe

17:30 bis 18:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

Donnerstag
07:30 bis 08:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

11:00 bis 12:00 Uhr PTBS Gruppe

13:00 bis 14:00 Uhr Sozialmedizin

17:30 bis 18:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

Freitag

07:30 bis 08:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

09:15 bis 10:00 Uhr Psychotherapie Gruppe

11:30 bis 12:30 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe Frauen

13:00 bis 13:30 Uhr Konvent bei Prof. Dr. Bering

13:45 bis 14:45 Uhr Dialektisch Behaviorale Therapie Gruppe

17:30 bis 18:00 Uhr Trauma bezogene Bewegungsgruppe

Samstag

10:00 bis 10:30 Uhr Hausversammlung

Sonntag

Nichts

© Chr. Kolja(r) Wlazik

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