03 – Die Umbettung

Auf meine Frage, was denn mit den Knochen passiert sei, meinte er, man hätte sie mit dem restlichen Aushub zum Unterbau neuen Zufahrtsstraße verwendet. Die Planierraupe hätte sie über hundert Meter weit verteilt und plattgewalzt. Er blickte ein Stück die Straße runter und meinte süffisant: Da donnert grade ein LKW über ihn hinweg!

graveyard-1417871_1920

Dienstag 01.09.2015

Letzte Woche hatte ich Myoreflextherapie und nur wenige Stunden später Psychomotorik. Und der Schuss ging für mich nach hinten los. Beides an einem Tag war für meine Muskulatur zu viel und so bin ich froh, dass ich heute aus terminlichen Grüneden Psycho ausfallen lassen muss. Da aber mir aber die Frage gestellt wurde, was ist das eigentlich, nachfolgend der Link zur entsprechenden Wikipedia-Seite und ein Auszug aus deren Text.

https://de.wikipedia.org/wiki/Psychomotorik

…Psychomotorik wird insbesondere im pädagogischen und therapeutischen Zusammenhang z. B. in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eingesetzt. Welche Psychomotorik-Schule hier ihren Einsatz findet, hängt dann im Wesentlichen von der ausführenden Fachkraft ab. Die meisten Psychomotoriker verbinden sinnvollerweise die gegebenen Ansätze und mischen psychiatrisch-medizinische Diagnostik und Vorgehensweise mit pädagogischen und tiefenpsychologischen Ansätzen, um ganzheitlich an die Kinder oder den Jugendlichen heranzugehen und ihnen Hilfe auf einer breiten Ebene anbieten zu können.

Eine psychomotorische Therapie wird in einigen Bundesländern von den Krankenkassen bezahlt und in psychomotorischen Praxen durchgeführt. Des Weiteren bieten Sportvereine Psychomotorik an. Psychomotorische Elemente finden sich auch innerhalb der Arbeit von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Heilerziehungspflegern und Logopäden.

Inzwischen gibt es auch in vielen Kindergärten und innerhalb des Schulsports, selbstorganisiert oder durch einen Träger von außerhalb, psychomotorische Angebote. Im heilpädagogischen und sonderpädagogischen Kontext findet die Psychomotorik traditionell Einsatz in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Behinderungen (geistig, seelisch, körperlich) haben oder von Behinderungen bedroht sind.

Heil- und Sonderpädagogik verstehen sich als Teilbereich der Allgemeinen Pädagogik. Die Patienten, mit denen sie sich beschäftigen, stellt jedoch spezifische Ansprüche, die einer besonderen pädagogischen Begleitung bedürfen. Kinder und Jugendliche mit Behinderungen können Probleme in den Bereichen Sensorik, Motorik, Emotion, Kommunikation und Kognition aufweisen. Gerade diese Felder können mit Hilfe pädagogischer Maßnahmen positiv beeinflusst werden. Die Psychomotorik kann in diesem Kontext einen bedeutenden Beitrag, sowohl zur Bewegungserziehung, als auch zu einer positiven Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Menschen mit einer Behinderung, leisten. Mit der Absicht, den Kindern und Jugendlichen Ich-Sozial- und Sachkompetenz zu vermitteln, steht sie im Einklang mit den Zielvorstellung der Heil- und Sonderpädagogik.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Mittwoch 2.09.2015

Die Frage, wie man geschlafen hat wird hier jeden Morgen gestellt. Viele Trauma-Patienten schlafen schlecht. Sie schlafen schlecht ein, leiden unter Albträumen und wachen Nachts mehrfach auf. Ich selbst konnte in der Vergangenheit keine Nacht durchschlafen und wachte Schweißgebadet auf. Seit drei Tagen ist das jedoch anders. Meine Träume verändern sich. Heute und Morgen möchte ich euch je einen Traum von mir erzählen. Zum Verständnis, Erich Buß heißt der Mann der mich, als ich acht Jahre alt war, vergewaltigte.

Die Umbettung!

Zwei mir fremde Personen, ein Mann und eine Frau, erzählten mir, dass sie ungefähr wüsten wo Erich Buß begraben wäre. So ganz genau könnte man es nicht sagen, da er anonym beerdigt wurde. Er sei aber abseits der übrigen Anonymen Gräber vergraben worden, da man niemandem zumuten wollte neben ihm zu liegen.

Als wir an dem, etwas außerhalb gelegenen Friedhof ankamen, lag dieser am Rand eines grade neu entstehenden Industriegebietes. Das Gräberfeld mit den anonymen Gräbern war weg und wir standen vor einem Großem Loch. Dort, genau dort wo das Loch im Boden klaffte, dort hatte man ihn verscharrt! Wir sprachen einen herumlungernden Arbeiter an, der uns erzählte, dass man sämtliche, noch auffindbaren Knochen in einem kleinem Grab auf dem Restfriedhof umgebettet hätte und das da jetzt auch ein Grabstein stände. Aber grade hier, da hätte man wohl einen vergessen. Der Pfarrer hätte aber gemeint, das sei egal und auf einen Friedhof würde man immer ein paar Knochen finden, wenn irgendwo herum buddelt. Weiter erzählte der Arbeiter, der leicht angetrunken wirkte, dass das Skelett aber noch komplett gewesen war und das die Schaufel des Baggers mitten durch gegangen ist. Auf meine Frage, was denn mit den Knochen passiert sei, meinte er, man hätte sie mit dem restlichen Aushub zum Unterbau neuen Zufahrtsstraße verwendet. Die Planierraupe hätte sie über hundert Meter weit verteilt und plattgewalzt. Er blickte ein Stück die Straße runter und meinte süffisant: Da donnert grade ein LKW über ihn hinweg!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Donnerstag 03.09.15

Eigentlich wollte ich euch heute meinen zweiten Traum von gestern erzählen. Um diesen aber ein ein halbwegs verständliche Form zu bringen, müsste ich all zu viel erklären. Außerdem möchte ich heute neben meinen Träumen auf ein weiteres Thema eingehen. Dissoziation bzw. Basale Stimulation!

In den 45 Minuten beschäftigen wir uns mit sehen, schmecken, riechen, fühlen und hören. In der ersten Stunde, vergangene Woche, beschäftigten wir uns mit dem riechen. Mit stark riechenden ätherischen Ölen kann man einen sich ankündigenden Flash back aufhalten. Gestern war das Fühlen dran. Die Pflegerin sprach mit ruhiger Stimme zu Beginn über Dissoziation und ich konnte nur noch flüchten den ich rutschte in einen Flash back ähnlichen Zustand. Die Pflegerin berichtete von dem Gefühl, wie auf Wolken zu laufen – und ich erinnerte mich an meinen Schulweg. In der Zeit nach meiner Vergewaltigung brauchte ich für meinen Schulweg, der normalerweise bequem in 30 Minuten zu meistern war, mehrere Stunden. Ich ging etwa 200 Meter und starrte dann bis zu 15 Minuten Löcher in die Luft. Während die Pflegerin sprach, merkte ich, wie ich mich wie auf meinem Schulweg fühlte. Nur mit allen mir bekannten Mitteln, einschließlich der Chili-Schote konnte ich mich aus dem Flash Back zurückholen.

So, und jetzt, da ich eigentlich von meinem Zweitem Traum schreiben wollte, merke ich, das ich lieber noch darüber nachdenken möchte. Also, vielleicht Morgen…

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Freitag 04.09.15

Heute will ich euch von meinem zweitem Traum berichten. Wobei ich ihn nicht so schön in Worte fassen kann, da es eher aneinander gereihte, kleine Szenen waren.

Ich war wieder Schüler an der Elly-Heuss-Knapp-Schule. Die Gebäude waren total Marode und der Unterricht fand im Keller statt. Mit mir war neben der Lehrerin nur noch ein kleines Mädchen in der Klasse. Tische oder Stühle gab es nicht, so dass wir am Boden sitzen mussten. Unsere Lehrerin überraschte uns mit eine Mathe-Arbeit, zu einem Thema das wir noch nicht hatten. Das ganze gebaren der Lehrerin hatte nur einen Sinn: uns zu demütigen!

Aber, ich war kein Kind mehr, ich war erwachsen und darum beschloss ich mich bei der Schulleitung zu beschweren. Meine Mitschülerin wollte ich mitnehmen, aber sie wagte es nicht aufzubegehren. Sie war von ihrer Angst gelähmt. Ich musste sie zurücklassen.

Als ich bei der Schulleitung vorgelassen wurde, war ich nicht mehr allein. Wir waren zu fünft, alles erwachsene Grundschüler. Doch wieder erwarten trafen wir nicht auf unsere Rektorin, Frau Hager, sondern auf so einen jungen arroganten Schnösel, der von nichts eine Ahnung hatte und das Terrorregime der Lehrerin nicht beenden wollte. Zuerst waren wir versucht ihn über den Tisch zu ziehen und eine kräftige Tracht Prügel zu verabreichen, dann entschieden wir aber uns an die Presse und seinen Vorgesetzten zu wenden!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Samstag 05.09.15

Hurra, ich fahre das Wochenende nach Hause! Das erste Wochenende bleibt man generell in der Klinik. Am vergangenen Wochenende, war ich einfach noch nicht so weit, das ich nach Hause fahren konnte. Ich war noch so in meinen Verarbeitungsprozessen gefangen, dass ich Sorge hatte, diese zu unterbrechen. Aber jetzt freue ich mich nur noch auf meine Frau und meine Kinder. Deshalb gibt es von mir heute auch nur liebe Grüße…

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Dieser Beitrag wurde unter Mein Weg der Heilung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.