01 – Ankunft auf der Akutstation

23.08.2015

Lieber Leser,

Kolja ist durch den TAZ-Artikel an getriggert worden. Das heißt, durch den Bericht sind vergessen geglaubte Erinnerungen zurückgekehrt, und ihm ist bewusst geworden, das auch er von den Taten des Buß betroffen ist. Sehr offensiv ist er mit den nun einsetzenden Prozessen um gegangen. Wichtig für ihn waren dabei immer,

Betroffenen kontrollierter Ansatz

Das Schweigen brechen

Eine vollumfängliche öffentliche Aufklärung

Auch Geschehnisse aus unserer Ursprungsfamilie sind natürlich zu Tage gekommen. Und gerade in diesem Bereich, waren die letzten Wochen weiß Gott nicht leicht. Irgendwann wird die Belastung zu groß um sie alleine zu tragen.

Als sich, zum Teil heftige Depressionen, eingestellt haben, und die Post Traumatische Belastungsstörung ihre ganze Symptomatik ausgebildet hat, hat er erkannt, das nun die Zeit gekommen ist, mit Professioneller Hilfe, den eigenen Heilungsweg zu beginnen. Damit andere Betroffene von seinen Erfahrungen profitieren können, hat er sich entschlossen auch diesen Prozess mit uns zu teilen. Lieber Kolja Danke dafür.

Gestern. hat er mir am Telefon gesagt, das er, wenn es während der Therapie geht, in unregelmäßigen Abständen, hier seine Erfahrungen postet.

© Andreas Ratz

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Mein Weg der Heilung

Ein paar Worte zur Vorgeschichte:

Am 13 August ist es genau ein Jahr her, das ich zum Arzt ging um mich krankschreiben zu lassen. Bei uns im Dorf gibt es eine kleine Praxis in der zwei typische Landärzte treu ihren dienst tun. Und wie das so ist, geht der eine Teil der Bevölkerung lieber zum einen und der andern Teil lieber zum anderen. Die beiden Ärzte ergänzen sich da auf eine ganz vortreffliche Weise: Während der eine ganz Humanmediziner nur den Körper sieht und behandelt in diesem Bereich auch wirklich gut ist, hat der andere einen eher ganzheitlichen Ansatz und nimmt sich deutlich mehr Zeit für seine Patienten. Musste ich am 13 August noch mit dem Humanmediziner vorlieb nehmen und vertraute ihm nur meinen Durchfall an, war ich am darauf folgenden Tag bei meinem Hausarzt und erzählte ihm, das ich mit acht Jahren vergewaltigt wurde, ich seit Monaten Flashbacks hatte, im Augenblick Depressionen dazu kämen, und ich nicht mehr weiter könne und mich in eine Trauma-Klinik einweisen lassen wolle.

Auslöser war (auch wenn ein Gericht rechtskräftig anders geurteilt hat) eine Mail, der Frau die mir ihre Gene zugemutet hat, vom 06.08.2015 13:02 Uhr, in der sie sich selbst attestiert eine gute Mutter gewesen zu sein: „Ich habe erkannt, dass ich auch ganz viel auf die Reihe gebracht habe und nicht nur stolz auf meine Tätigkeit im Puppenspiel, sondern auch auf meine Rolle als Mutter sein kann.“

Die Folge waren schwerste Flashbacks und Depressionen.

1975 acht Jahre alt, vom Lehrer Erich Buß vergewaltigt

1980 dreizehn Jahre alt, vom Lehrer Erich Buß vergewaltigt

14.03.15 taz am wochenende veröffentlicht eine Ausführlichen Artikel zu den Vergewaltigungen an der Elly – Heuss – Knapp – Schule in Darmstadt und ich werde durch ein Foto an getriggert.

24.03.15 Heftigste Flashbacks mit denen die Erkenntnis kam, das ich Vergewaltigt wurde.

Donnerstag 06.08.2015 Mail von H.H. der Frau die mir ihre Gene zugemutet hat. Ab diesem Tag hatte ich wieder mit den Allerschwersten Flashbacks zu kämpfen.

Samstag der 08.08.2015 Ich sprach mit meiner Frau über einen Klinikaufenthalt. Wir suchten eine geeignete Klinik raus.

Freitag der 14.08.2015 Gespräch mit meinem Hausarzt

16.12.15 Klinikaufenthalt beendet. Ich bin weiter, langfristig krankgeschrieben

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Montag 17.08.15

Das halbstündige Erstgespräch mit einer Psychologin war unglaublich anstrengen aber auch befreiend. Sie stellte eine Menge Fragen über Familie, mein derzeitiges befinden usw. Aber sie Bestand darauf das keine Detail Fragen angesprochen werden. Da ich heulend bei ihr auf der Couch saß, hat sie sämtliche folge Termine noch in diese Woche legen lassen!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Mittwoch 19.08.15

Diagnose: Fragebögen, Fragebögen und noch mehr Fragebögen… Und als ich damit durch war ein Vortrag zum Thema Post Traumatische Belastungsstörung, fragt mich nicht was die alles erzählt hat, jedenfalls nichts was ich nicht in den Facebook-Selbsthilfegruppen schon mal gehört hätte.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Donnerstag 20.08.15

Ich hatte immer mehr das Gefühl, dass ich gerade in eine Depression abrutsche. Es fiel mir schwer aus dem Haus zu gehen. Ich hatte Angst vor den Menschen, vor der .S-Bahn aber vor allem die U-Bahn schnürte mir die Kehle zu! Ich bin deshalb früher losgegangen, um mich am Bahnhof noch ein bisschen wieder einzukriegen. Nur leider ging das am Kölner Hauptbahnhof nicht. So viele Menschen!

Ich glaube, es tat mir gut, Pausen einzuplanen. Ich ging so rechtzeitig los, dass ich am Bahnhof noch 10 Minuten Zeit hatte.

Abschlussgespräch mit dem Chefarzt. Die hatten meine Akte verschlampt, was ihm nur ein ganz kleines bisschen unangenehm war. Er fragte kurz warum ich da bin, ich berichtete von meiner Einschätzung, dass ich grade in eine Depression abrutsche. um dann, auf Nachfrage kurz auf die Vergewaltigung und die Flashbacks zu kommen. Er meinte nur kurz: „Sie brauchen gar nichts weiter zu erklären, ich kenne die Symptomatik ganz genau!“ Er wollte wissen wie sie mir helfen könnten und ich sagte das ich an stationäre Therapie gedacht hätte. Er fragte noch kurz ob mein Arbeitsplatz gefährdet wäre, war er aber nicht, ich hatte meinem Chef grade erst davon erzählt und er meinte sie seien noch da, wenn ich wieder komme. Er telefonierte kurz, um mir dann zu verkünden, das ich schon am nächsten Tag ein Bett in Krefeld in der Spezialklinik für Post Traumatische Belastungsstörung hätte. Das ganze war so optimal gelaufen, das ich es gar nicht glauben konnte. Ich, der den Weg des Betroffenen kontrollierten Ansatzes als den für mich besten gewählt hatte, bekam genau das was ich für mich entschieden hatte.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Freitag 21.08.15

Anreise:

Die Bezeichnung Anreise ist eigentlich schon etwas übertrieben. Ich stand sehr früh auf um den Tag mit viel Ruhe anzugehen. Ich ging so rechtzeitig zum Bahnhof, das ich dort noch mindestens 10 Minuten Zeit zum entspannen hatte, bevor ich in den Zug einstieg.

Das Gelände ist so groß, dass ich mich erst mal auf Haussuche begeben musste. Nach der Aufnahme, ging es direkt zum Blutdruck und Puls messen, beides war zu meiner Verwunderung noch messbar. Und dann Fragen über Fragen aber nichts was nicht zu beantworten wäre. Die ärztliche Untersuchung war wieder mit unendlich vielen Fragen verbunden. Vor allem Drogen und Alkohol waren von Großem Interesse, denn sie stellen ein beinah unüberwindliches Therapie Hindernis dar. Wer sich zu dröhnt kann nicht zu Hören!

Die Gruppenvisite mit dem Chefarzt war schnell überstanden. Ich hatte immer mehr das Gefühl, der Mann weiß ganz genau was er tut. Kleine Nebensätze bestätigten mir immer wieder, hier bin ich richtig, hier bin ich Betroffenen Kontrolliert!

Auch wenn das Verlassen des Geländes vom Arzt abgezeichnet werden muss, stellt dies jedoch eine versicherungsrechtliche Formalität dar.

Nach der Mittagspause hatte ich dann das erste Gespräch mit einer Psychologin. Und was steht an? Fragen, Fragen, Fragen… aber die Fragen waren irgendwie anders, und meine Antworten nahmen mehr Raum ein.

Vor dem Abendessen, kam noch eine Gruppenbesprechung, nicht zu verwechseln mit Gruppentherapie. Hier wurde nur kurz berichtet, wie der Tag war, denn mit anderen Patienten über sein Trauma zu sprechen ist Tabu!

Samstag 22.08.15

Es gab überhaupt kein Programm, was auch gut tat.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Sonntag 23.08.15

Ich hatte nur einen Termin am Nachmittag: Bezugspflegegespräch! Neben allgemeinen Fragen, wie es mir geht, ob ich mich gut eingelebt hätte, ging es auch um meine traumatischen Probleme. Da hier im Haus mit Aromatherapie arbeitet, bekam ich gegen meine gegen meine Schlafprobleme ein entsprechendes Ätherischen Öl. Gegen meine Flash back gab sie mir etwas, was ich zwar glücklicher weise noch nicht ausprobieren musste, von dem ich aber überzeugt bin, dass es funktioniert: Chili-Schoten!

Wenn der Flash back sich ankündigt, auf einer trockenen Chili-Schoten herum lutschen und der Reiz ist so stark, das der Flash back das weite sucht. Ich bin felsenfest überzeugt, es funktioniert!

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Montag 24.08.15

Die wollten mein Blut und vorher folterten sie mich mit Nahrungsentzug und was noch viel schlimmer war, durch den Entzug meiner morgendlichen Koffein Dröhnung. Man könnte es auch einfach 8:00 Uhr Blutabnahme nennen, aber morgens keinen Kaffee – Folter nenne ich das: jawohl!

7:30 Uhr

Das Frühstück fiel für mich wegen der anstehenden Blutabnahme aus. Während ich auf den Arzt wartete rutschte ich rasch in einen Flash back ab. Chili – ich brach ein superkleines Stück von der getrockneten Schote ab und nahm es in den Mund. Weg, einfach weg!

Seit sich vor Monaten eine Gewürzgurke in meinem Mund verwandelte kämpfte ich beinah täglich mehr oder weniger erfolgreich dagegen an. Und jetzt? Weg, einfach weg! Das Gefühl war noch da und quälte mich – aber es war nicht mehr körperlich gegenwärtig. Musste ich, einem Phantomschmerz gleich, die Vergewaltigung immer wieder über mich ergehen lassen, konnte ich sie jetzt mit einem kleinem Stück Chili-Schoten beenden.

8:00 Uhr

Die Pflegerische Morgenrunde fiel wegen der Blutabnahme für mich aus. Aber dafür hatte ich jetzt Zeit zum Frühstücken.

9:15 Uhr EKG

Mehr als vier Herzschläge können das nicht gewesen sein, die sie da mitgeschnitten haben.

10:45 Uhr Gruppenvisite

Wie war das Wochenende? Gab es Probleme? Wie geht es mit den Dosierungen der Medikamente, falls man welche bekommt? Derartige Fragen, aber auch die Symptome des Traumas wurden kurz besprochen. Jeder hatte die Möglichkeit statt der Gruppenvisite im Anschluss eine Einzelvisite zu bekommen.

12:00 Uhr

Das Mittagsessen kam glücklicherweise schon etwas früher, so dass ich doch noch Zeit zum Essen hatte.

12:10 Uhr Einzelpsychotherapie

Dieser Teil der Trauma Bearbeitung ist der mit großem Abstand härteste, aber auch mit großem Abstand beste. Ich kann an dieser Stelle unmöglich mehr davon erzählen, zumal das was in dieser Zeit abläuft derart individuell ist, dass es diesen Rahmen hier sprengen würde. Aber soviel kann ich sagen, die wissen hier sehr genau was sie tun. Ich hatte Monate trainiert offen mit meiner Vergewaltigung umzugehen, so das es mir nicht schwer viel hier Klartext zu reden. Auch hab ich von den Therapieerfahrungen meines älteren Bruders in soweit profitiert, dass ich ziemlich klar formulieren konnte, was ich mir vorstellte. Die Therapeutin legte aber größten Wert darauf, zunächst erst zu stabilisieren und zu schauen, wie belastbar ich bei der Trauma Bearbeitung bin. Ich hatte mich entschieden den Fachleuten hier zu vertrauen, und da ich mit der Therapeutin gut klar komme, vertraue ich darauf, dass sie weiß, welche Zwischenschritte für meinen nächsten Schritt notwendig sind, damit ich meinen nächsten Schritt auch erfolgreich gehen kann.

13:00 Soziales Kompetenztraining

Keine Ahnung, was wir in der Stunde gemacht haben. Es ging irgendwie um Verhaltensmuster, aber ich war noch so sehr in der Einzeltherapie, das ich der Frau nicht so wirklich folgen konnte.

14:00 Uhr Stationsversammlung

Probleme der Gruppe und mit einzelnen Pflegerinnen wurden angesprochen, und die Patientendienste für die kommende Woche neu verteilt.

14:30 Uhr Ergotherapie

Basteln, malen, modellieren…

17:30 Pflegerische Abendrunde

18:30 Abendessen

© Chr. Kolja(r) Wlazik

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Dienstag 25.08.15

Wie die Meisten hier schlief ich schlecht. Albträume weckten mich mitten in der Nacht. Wenn ich auch, im Gegensatz zu den voran gegangenen Nächten nicht schweißgebadet wach wurde, so zerrte es doch inzwischen an den Kräften. Von den Pflegerinnen bekam ich ein Aromatherapie Öl zum besseren Schlafen ich hoffe, es hilft ein bisschen!

7:30 Uhr

Während des Frühstücks rutschte ich in einen Flash back. Marmeladenbrötchen mit Chili-Schote, lecker…

8:00 Uhr Pflegerische Morgenrunde

Ich lies mir für Nachmittags und Abends Ausgang aufschreiben, da ich zur Bank muss und Einkäufe erledigen möchte.

Der Vormittag war für mich frei von Terminen und Verpflichtungen. Ich nutzte die Zeit, wie meist zum schreiben, für Gespräche mit den Mitpatienten und zum duschen.

12:00 Uhr

Leider gab es kein Mittagessen, stattdessen brachte man uns Schweinefutter. Ich denke, das Nährstoffentzug zum Therapieplan gehören muss, anders ist das nicht zu erklären…

12:30 Myoreflextherapie

„Es geht primär um die Muskeln und deren reflektorische Behandlung. In erster Linie werden die Muskelansätze behandelt. Durch Ertastung und Funktionsanalyse wird über Druckpunktstimulation an ganz bestimmten Reflexpunkten der Muskulatur ein Reiz gesetzt.Dieser wird an das Gehirn weiter geleitet und von dort aus das Spannungsmuster der jeweiligen Muskulatur reflektorisch reguliert. Dadurch können Gelenke und Weichteilstrukturen wieder entlastet und selbst chronisch fortschreitende Veränderungen aufgehalten werden…

Unsere Muskeln sind wie ein nach außen gelagertes Gedächtnis. Alles was wir erleben ist in ihnen gespeichert und nimmt dort Gestalt an. Das sogenannte Körpergedächtnis…

Vielleicht könnte man die Myoreflextherapie auch als Psychotherapie für die Muskeln nennen.“

(aus dem Merkblatt der Alexianer Krefeld)

Klingt vielleicht wissenschaftlich, trifft es aber nicht. Myoreflex ist einfach nur der Hammer, ach was sag ich, der Oberhammer. Und wer sich die Frage stellt, warum man in der Traumatherapie den Körper behandelt, dem kann ich nur sagen, es geht nicht wirklich um den Körper. Man spürt zwar jeden Muskel, der berührt wurde noch Stunden danach, nur werden einem, wenn man sich darauf einlässt, dinge Bewusst, die zuvor im Dunkeln lagen. Ich war wie ein Kaninchen, das vollkommen erstarrt vor dem

Fuchs sitzt und sich nicht mehr rühren kann. Und ich ertrage es nicht, wenn man meinen Kopf fest hält, besonders wenn man meinen Hinterkopf mit beiden Händen festhält!

Der Hammer, der absolute Oberhammer!

14:15

In der Angehörigenvisite können kurz alle Fragen rund um die Therapie angesprochen werden. Aber auch allgemeine Fragen rund um den Stationären Aufenthalt wurden hier angesprochen.

15:00 Uhr

Psychomotorik war überhaupt nicht mein Fall, und ich fürchte, das wird mein Albtraum-Termin.

17:30 Uhr Pflegerische Abendrunde

18:30 Uhr Abendessen

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Mittwoch 26.08.15

7:30 Uhr Frühstück

8:00 Uhr

Die pflegerische Morgenrunde war wie immer

9:00 Uhr Gruppenvisite

11:30 Uhr

Die Einzelvisite im Patientenzimmer fällt aus

12:00 Mittagessen

13:00 Uhr Fragebögen

13:00 Uhr

Übergabe am Patientenbett fällt aus.

14:00 Uhr

Gruppentherapie Imagination und Selbsthilfe. man könnte auch Stabilisierung sagen. Um sich in der realen Gegenwart zu stabilisieren, hilft es jeweils fünf Einzelheiten die man sieht, hört bzw. fühlt zu benennen.

15:00 Uhr

Basale Stimulation mit dem Thema riechen oder besser gesagt Aromatherapie. Mit stark bzw. unangenehm riechenden ätherischen Ölen kann man sich, wenn aus einem beginnenden Flash back zurück holen. Entscheidend ist, ähnlich wie bei der Chili-Schote der starke Sinnesreizung!

17:30 Pflegerische Abendrunde

18:30 Uhr Abendessen

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Donnerstag 27.08.15

7:30 Uhr Frühstücken

8:00 Uhr pflegerische Morgenrunde

9:00 Uhr Fragebögen

10:15 Uhr

Kognitives Training könnte man auch als Konzentrationstraining bezeichnen. Wir beschäftigten uns mit Anagrammen.

10:00 Uhr Einzelpsychotherapie

12:00 Uhr Mittagessen

17:30 Uhr pflegerische Abendrunde

18:30 Abendessen

© Chr. Kolja(r) Wlazik

Freitag 28.08.15

Guten Morgen Ihr lieben, um vier Uhr früh war heute meine Nacht vorbei. Schlafprobleme sind leider ein Symptom des Traumas und einige, wenn auch nicht alle, meiner Mitpatienten leiden darunter. Sowohl das Kopfkino wie auch Albträume rauben einem den Schlaf. Auch hab ich mal gelesen, das man durch Schlafmangel ein körpereigenes Antidepressiva ausschüttet.

7:30 Uhr Frühstücken

8:00 Uhr Pflegerische Morgenrunde

9:15 Visite Stationsarzt

10:30 Bezugspflegegespräch

12:00 Uhr Mittagsessen

14:15 Uhr Ergotherapie

17:30 Uhr Pflegerische Abendrunde

18:30 Abendessen

Nachdem ihr mich jetzt eine Woche lang durch den Tag begleitet habt, habe ich mich entschlossen Morgen den kompletten Wochenplan einzustellen, und mir die täglich wiederkehrenden Termine zu sparen. Ihr dürft mir glauben, das ich täglich Frühstücke. Die Pflegerische Morgen bzw. Abendrunde findet täglich statt, und bedarf keiner weiteren Erwähnung. Stattdessen möchte ich stärker auf die inhaltliche Ebene eingehen.

© Chr. Kolja(r) Wlazik

 

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von Andreas » 29. Aug 2015

Lieber Bruder,

nun komme ich endlich dazu ein paar Worte in Deinen Thread zu schreiben.

Du bleibst Dir und deinem Weg treu, und hast wirklich allen Grund stolz auf dich zu sein. Unsere Familie ist wahrscheinlich ja schon durch den taz-Artikel ganz schön in die Öffentlichkeit gerückt. Unüberlegt, OK. Aber ich würde es wieder tun. Als Du erkanntest, ausgelöst durch den taz-Artikel, das auch du zu den Betroffenen gehörst, hast du dich ziemlich schnell entschlossen, das auch du mit deiner Geschichte offen umgehen willst. Ich erinnere mich an die Zeit, als du überlegt hast ob du einen Nick-Name wählst oder nicht. Schnell war die Frage für dich geklärt. Du hast dich entschieden, eine vollumfängliche öffentliche Aufklärung mit allen Mitteln zu unterstützen. Und so war für dich ziemlich gleich klar, das du dich nicht hinter einem Pseudonym verstecken willst. Das Du den Betroffenen von Kindesvergewaltigung ein Gesicht geben willst.

Du hast dich entschlossen dein Schweigen zu brechen.

Du bist nicht bereit weiter zu tolerieren, das Mitwisser und Täter-Unterstützer egal ob sie aus unseren Familien kommen aus Behörden oder aus der Gesellschaft, wieder damit durchkommen, den Schleier des Schweigens zu installieren.

Unverschleiert und klar hast du uns an all deinen Prozessen teil haben lassen, hast immer klar Position bezogen. Es ist dein Ziel nicht nur das System Kindesvergewaltigung (vollkommen fälschlich als Missbrauch bezeichnet), zu entlarven, Du möchtest auch ins Bewusstsein bringen, welche Folgen derartige Gewalttaten, für Betroffene, ihre Familien und nicht zu Letzt unsere Gesellschaft ( Volkswirtschaftlich und Sozial) hat.

Nachdem du, obwohl du immer gefordert hast erst mal in Ruhe gelassen zu werden, wieder eine tief verletzende Mail von Angehörigen erhalten hast, war Dein Entschluss sofort klar, auch damit offen und öffentlich um zu gehen. Wenige Tage nach Erhalt einer Angehörigen Mail eröffnetest du den Thread offentlicher-bereich-f1/die-frau-die-mir-ihre-gene-zugemutet-hat-t32.html

Meine anfänglichen Bedenken, es könne aussehen, als würdest du jetzt anfangen eine innerfamiliäre Schlammschlacht öffentlich zu führen, hat sich absolut nicht bestätigt, zumal es sich ja keinesfalls um eine Schlammschlacht handelt.

Wer den Weg der Wahrheit wählt der stolpert nicht. Gandhi

Feedbacks die wir erhalten haben waren ausschließlich positiv. Sätze wie,“ in meiner Familie läuft es ähnlich, danke für die Veröffentlichung, ich fühle mich jetzt nicht mehr als Einzelfall“, haben uns erreicht.

Dein Teilen macht anderen Mut, dafür Danke ich Dir.

Die Psychische Belastung ist zu groß für dich geworden, aus eigener Erfahrung weiß ich das alleine die Geschichte der Flashbacks, einem fast alle Energie abverlangt. Ehrlich gesagt war ich die letzten Wochen öfter mal erstaunt, wie du das alles noch schaffst.

Zu viel ist zu viel, in deinem Fall kam das Zuviel ausgerechnet aus der eigenen Ursprungsfamilie.

Als nichts mehr ging, und Depressionen begannen dir echt gefährlich zu werden, hast du dich entschlossen, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo nur noch professionelle Hilfe was bringt.

Konsequent wie immer, ist es dir gelungen in wenigen Tagen eine Spezialklinik zu finden, und vor allem in wenigen Tagen auf genommen zu werden. Deine Forderung die du immer wieder formuliert hast, jeder Betroffene hat das Recht ein sofortiges Hilfsangebot zu erhalten, wenn er das wünscht, ist in deinem Fall, fast möchte ich sagen auf wunderliche Weise real geworden. Was für dich ging, muss Standard für jeden Hilfesuchenden werden.

Nun teilst du deinen Weg durch die Therapie mit uns. Manch einer würde sagen mutig. Deine Motivation dieses zu tun, um aufzuzeigen, Posttraumatische Belastungsstörung ist eine schwere Erkrankung, eine Unterumständen sogar lebensbedrohliche, aber sie gehört zu den absolut heilbaren Erkrankungen.

Du machst anderen Betroffenen Mut, ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher ob es deinerseits Mut dafür braucht. Weil ich immer wieder erlebe, das du mit dem Herzen entscheidest, und dein Handeln als das einzig richtige siehst.

Deinen Mut, der riesig ist, sehe ich eher darin, wie du dein Schicksal angenommen hast, und wie du beschlossen hast, das du alleine verantwortlich bist, was du daraus machst. Du hast erkannt, du alleine bestimmst wo dein Weg lang führt, dein gutes Recht. Ich hoffe das auch der letzte das irgendwann begreift, und es nicht wieder vorkommt, das du durch Respektlosigkeit, noch tiefer in die Krise getrieben wirst.

Für mich ist es schön, durch Deine Beiträge hier miterleben zu dürfen wie du dich auf den Weg gemacht hast in die Freiheit, deine Opferrolle verlassen hast, und die Grundsteine für ein friedliches Restleben legst.

Alles hat seine Zeit, und so sind wir ja letztendlich dankbar, das diese letzte Krise dich auf diesen sehr guten Weg geführt haben. Du weist ich denke sehr viel an dich, ich schicke dir Kraft, wann immer ich kann, und ich weiß das du nicht nur auf dem richtigen Weg bist, sondern diesen (nicht immer leichten) mit Bravur meisterst.

Lieber Bruder, Danke das es dich gibt, und Danke für diesen Beitrag,

liebe Grüße

© Andreas Ratz

P.s. Worte wie, Du schaffst das, hätte ich als albern empfunden, weil das überhaupt keine Fragestellung ist.

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