Absolut nichts!

Ein offener Brief an die externe Kommission, die bis zum heutigen Tag mit jeder Information hinter dem Berg hält und einem Austausch mit Betroffenen auf Augenhöhe konsequent aus dem Weg geht!

Liebe Claudia Burgsmüller, liebe Brigitte Tilmann,

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im Mai 2015 nahm die „Externe Kommission zur Aufarbeitung der sexuellen Missbrauchsfälle an der Elly-Heuss-Knapp Schule in Darmstadt“ ihre Arbeit auf. Unsere Seite von Betroffenen für Betroffene (http://www.das-schweigen-brechen.org/) war bereits am 25.03.2015 online. Am 08.07.2015 ging die Seite der Kommission online. Bis zur Fertigstellung des Abschlussberichtes der Kommission wurden wir auch noch einigermaßen informiert. Der Prozess der Aufarbeitung ließ wohl kein Miteinander auf Augenhöhe zu, weil die Kommission zu sehr gegen äußere Widerstände anzukämpfen hatte und somit voll ausgelastet war.

Am 26.07.2016 war die Untersuchung der Kommission beendet – und damit auch jeder Informationsaustausch mit den Betroffenen. Bis heute, Mitte April 2017 nichts – 9 Monate absolut nichts!

Auf der Pressekonferenz am 22.09.2016 wurde der Bericht der Kommission der Öffentlichkeit vorgestellt. Man hätte erwarten können, dass wir als Betroffenenorganisation im Vorfeld wenigstens in groben Zügen darüber informiert werden, was in dem Bericht drin steht. Eigentlich wäre es unabdingbar, dass wir zumindest den neunseitigen Kurzbericht vor der Veröffentlichung bekommen hätten, um bei der Pressekonferenz auch inhaltlich Stellung nehmen zu können. Aber auch an dieser Stelle bekamen wir keine Information. Nichts absolut gar nichts!

Während der Pressekonferenz hat der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium Dr. Manuel Lösel verkündet, dass jeder Betroffene ein symbolisches Schmerzensgeld von 10.000,-€ bekommen würde. Jetzt wäre es die Aufgabe der Kommission gewesen, zügig die Formalitäten zu klären und uns als Betroffenenorganisation umfassend zu informieren, damit wir entsprechende Anfragen auch beantworten können. 7 Monate nichts, absolut gar nichts!

Eineinhalb Monate später, am 10.11.2016, wurde dann endlich der vollständige 167-seitige Abschlussbericht veröffentlicht. Was geschah eigentlich wirklich in diesen 49 Tagen? Ihr wollt uns doch nicht tatsächlich weismachen, dass es um grammatikalische Korrekturen ging? Die Anwälte und Datenschützer haben doch bis zum 22.09.2016 ganze 58 Tage, also mehr als genug Zeit gehabt um zu prüfen, was sie vertuschen wollen.

Am 28.12.2016 gingen dann die Anträge für das Schmerzensgeld an die bekannten Betroffenen. Jetzt hätten eigentlich Informationen dazu kommen müssen, wie das Prozedere für Betroffene aussieht, die sich erst in Monaten oder Jahren melden können. Wo müssen sie wie umfangreich aussagen? Aber es kam nichts, absolut gar nichts!

Am 29.03.2017 schriebt ihr uns, dass ihr Fragen nur beantwortet, wenn das Kultusministerium euren Vertrag verlängert. Am dritten April kam dann die Nachricht, dass euer Vertrag bis zum 30.06.2017 verlängert wurde. Aber Informationen für die Betroffenen, die bis dato noch keinen Antrag stellen konnten, gibt es natürlich nicht. Ich weiß ja, dass ihr beiden nicht den kleinen Finger rührt, wenn dabei nicht etwas für euch herausspringt. Oh, ihr meint, das stimmt nicht? Dann dürft ihr gerne mal auf unserer Internetseite http://www.das-schweigen-brechen.org/ den Beitrag „10.000 € Schweigegeld – Nicht nur für Alkoholiker und Säufer“ lesen, da steht unter anderem die Geschichte, wie es für euch dazu kam, dass ihr diesen Job bekommen habt.

Neun Monate sind seit der Fertigstellung des Abschlussberichtes vergangen. Für diejenigen, die vor der Kommission ausgesagt haben bzw. auf andere Weise im Abschlussbericht gelandet sind, war das Prozedere, der Antragsstellung auf Auszahlung des symbolischen Schmerzensgeldes erfrischend unbürokratisch. Diejenigen, die bis dato keinen Antrag stellen konnten, weil ihnen einfach die Kraft dazu fehlt, gehen leer aus, da ihnen jede Information verweigert wird. Wenn ich dann höre, dass Informationen erst kommen, wenn ihr eine Vertragsverlängerung bekommen habt, also frisches Geld fließt, dann drängt sich mir eine Frage auf: Wollt ihr uns verarschen? Ach verdammt, ich wollte eigentlich keine Kraftausdrücke verwenden. Ein anderes Wort für verarschen – veräppeln, nein das trifft es nicht. Veräppeln tu ich meine Kinder, aber das ist etwas liebevolles, eine von Respekt gespeiste Albernheit. Nein, das trifft es nicht… Verhinterteilen – ja das ist es. Wollt ihr uns verhinterteilen?

Betroffene haben also gerade mal 94 Tage Zeit, noch einen Antrag zu stellen – dann läuft euer Vertrag aus. Aber wer glaubt, dass ihr jetzt endlich mal mit Informationen rausrückt, wie das ganze von statten geht: Fehlanzeige!

Wisst ihr, was ich glaube? Ich glaube, dass der Auftrag, den ihr von der Hessischen Landesregierung erhalten habt, darin besteht, dafür Sorge zu tragen, dass sich der Skandal möglichst elegant unter den Teppich kehren lässt. Ich kann euch versichern, derzeit erfüllt ihr diesen Auftrag mit all eurer Kraft. Und wenn euch als kleines Dankeschön eine Buchveröffentlichung winkt, dann steht ihr auch noch als die Retter der armen vergewaltigten Jungs da…

© Chr. Kolja(r) Wlazik

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