Es gibt keinen Missbrauch, es gibt nur Gewalt

Missbrauch, sexueller Missbrauch, sexuelle Gewalt, sexuell motivierte Gewalt oder Vergewaltigung – der Versuch, etwas in ein Wort zu quetschen, für das unsere Sprache eigentlich kein Wort hat. Und doch sollten wir uns eins klar machen: Sprache schafft Bewusstsein!

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Das Wort „Missbrauch“ ist im Zusammenhang mit Sexualität eine riesengroße Lüge!

Laut Wikipedia liegt dem Wort Missbrauch ein Althochdeutsches Verb zugrunde, das „falsch oder böse gebrauchen“ bedeutet. Und genau in dieser Umschreibung des Wortes Missbrauch liegt auch das Problem: man kann einen Menschen weder falsch noch böse gebrauchen – man kann einen Menschen überhaupt nicht gebrauchen, denn ein Mensch ist kein Gegenstand.

Ich will an dieser Stelle nicht dogmatisch werden. Wenn Betroffene lieber von Missbrauch im Zusammenhang mit ihrer Geschichte sprechen, so ist das ganz alleine ihre Entscheidung. Niemand hat das Recht, einem Betroffenen vorzuschreiben, welchen Begriff er zu verwendet hat. Missbrauch, sexueller Missbrauch, sexuelle Gewalt, sexuell motivierte Gewalt oder Vergewaltigung – der Versuch, etwas in ein Wort zu quetschen, für das unsere Sprache eigentlich kein Wort hat. Und doch sollten wir uns eins klar machen: Sprache schafft Bewusstsein!

Ich wüsste doch zu gerne, ob es einen Richter gibt, der sich traut, in einer öffentlichen Verhandlung, vor der Presse aufzustehen und zu verkünden: Wegen der Vergewaltigung eines Kindes verurteile ich den Täter zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und wünsche ihm noch einen schönen Tag! Das und nichts anderes ist es doch, was in deutschen Gerichten beinahe täglich passiert. Und alle lächeln ganz lieb und nennen das Rechtsstaat. Wir haben es mit einem Strafrecht zu tun, bei dem die Strafe nichts mehr mit den Taten zu tun hat und das mit seinen Urteilen die Opfer verhöhnt.

Man ist ja an der Stelle versucht, ein paar Beispiele heraus zu suchen oder zumindest die Spitze des Eisberges aufzuzeigen. Aber welche Spitze soll man nehmen? Den Stiefvater, der wegen 340 facher Vergewaltigung Bewährung bekommen hat? Den Serientäter, der Bewährung bekommt, weil die Tat 19 Jahre her ist? Den 24-jährigen der wegen des schweren sexuellen Missbrauchs einer Sechsährigen im minder schweren Fall zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde…? Gebt mal die Worte Missbrauch und Bewährung zusammen in eure Suchmaschine ein und ihr werdet feststellen, das geht immer so weiter.

Die Justiz versucht uns nur all zu gerne in ein Korsett zu zwängen, klein zu halten und zu spalten. Hat ja auch bis heute ganz gut funktioniert. Da wird zwischen sexuellem Missbrauch, schwerem sexuellem Missbrauch, sexueller Nötigung und Vergewaltigung unterschieden. Aber wer gibt euch denn das Recht zu entscheiden, ob der Missbrauch für uns Kinder schwer oder leicht war? Wer sagt euch denn, dass die Tat für uns nicht eine erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung mit sich gebracht hat? Wer nimmt sich denn das Recht heraus, zu beurteilen, dass das Eindringen in den Körper für uns das Schwerste war? Wo beginnt denn für ein Kind die Gewalt? Den Gipfel der Unverschämtheit findet man aber in § 174 wenn es da heißt: „…kann das Gericht von einer Bestrafung … absehen, wenn das Unrecht der Tat gering ist.“ Das Unrecht ist aber nicht gering, es ist gewaltig!

Wenn man mal, nur so zum Spaß, ein bisschen im Strafgesetzbuch liest und sich die Paragrafen 174 bis 184h genauer ansieht, dann kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Von einer einfachen Verwarnung bis zu „nicht unter zehn Jahren“ mit anschließender Sicherungsverwahrung ist alles drin. Der absolute Oberknaller ist aber, wenn der Täter ein „Geständnis“ ablegt, dann wird das Opfer gar nicht mehr gehört und der Täter darf sich über mildernde Umstände freuen und kommt auf diese Weise nicht selten mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Richter begründen dann, der Täter hätte es dem Opfer erspart, ins Detail gehen zu müssen. Verdammte Scheiße, der Täter hat uns gar nichts erspart. Er hat uns unglaublich detailliert vergewaltigt. Und nur weil er seine Tat vor Gericht schönredet, hat er alles verdient, aber bestimmt keine mildernde Umstände!

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