Eine ältere „Dame“

Bei der Bundesagentur für Arbeit – Medizinischer Dienst – Ubierstraße 7 bis 11 – 50321 Brühl

Viel hing von diesem Termin am 26.05.2017 um 10:10 Uhr ab. Seit drei Monaten kommt nun kein Pfennig Geld mehr, weder das Krankengeld der Barmer, noch das Krankentagegeld mit der ich mich zusätzlich versichert habe, als wir unser Haus kauften. Mit der Untersuchung beim medizinischen Dienst sollte das endlich ein Ende haben. Möglich, das jetzt tatsächlich endlich rückwirkend gezahlt wird, aber wie hoch ist der Preis, den ich dafür zu zahlen habe?

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Ich klingel, die Tür öffnet sich und man weist mich an noch einen Moment im Flur platz zu nehmen. Im Flur? Nein, im Treppenhaus, vierter Stock, kalt, trostlos und beispielhaft für das was hinter der Tür vor sich gehen sollte. Die Tür öffnet sich erneut und eine ältere Dame geht zur Toilette. Ich sehe sie und denke nur: oh mein Gott, bloß nicht diese Frau!

Aber eben diese Frau bittet mich herein. „Nehmen sie Platz, ich muss ihnen ein paar Fragen stellen…“ Vollkommen emotionslos, technokratisch, wie die Stimme am Telefon die einen anweist, dass man die 8 drücken müsse wenn man eine Flatrate buchen möchte. Fragen, ohne jede Bedeutung – Fragen die weder etwas mit mir, noch mit meiner Gegenwart zu tun haben. Fragen eines Systems, das sich nicht mal an die eigenen Regeln hält. Ich spreche sie an – wie ungehörig, ist es doch offensichtlich, das sie erwartet, dass ich mich ihrer Willkür beuge.

„Entschuldigung, ich möchte nicht das sie das persönlich nehmen, aber ich habe ein Problem mit ihnen. Sie sind eine Frau, und sie sind älter als ich – bei meinem Trauma spielte eine ältere Frau eine wesentliche Rolle.“

Sie reagiert nicht mal, ich hätte genauso gut mit der Spracherkennung ihres Computers sprechen können. Ich spüre eine alte Angst in mir aufsteigen. Ich überreiche ihr die geforderten Unterlagen und versuche die Gesprächsführung zu bekommen, Kontrolle zu erlangen, um als erwachsener zu agieren zu können. Das gepeinigte Kind braucht Ruhe und Sicherheit. Ich greife in meine Linke Hosentasche. Chilischote – nein Mundspray unter die Zunge, das muss reichen. Rechte Hosentasche, Lavendelöl zu Beruhigung, dazu den Atem regulieren, entspannen.

„Was ist das?“

Was für ein Ton? Wo bin ich hier? Beim medizinischen Dienst?

„Ich bin im Augenblick ziemlich im Stress und versuche mich ein wenig runter zu regulieren“ Ich versuche erneut Kontrolle zu gewinnen, Sicherheit zu bekommen und fange an ihr meine gegenwärtige Symptomatik zu beschreiben, zu erklären. Sie faucht mich an, „Ich bin Psychiater, mir brauchen Sie gar nichts zu erzählen.“

Ich versuche weitere Unterlagen zu überreichen, aber sie lehnt ab. Sie sagt, das interessiert sie nicht. Ich brauche eine kurze Weile um zu verstehen was sie grade gesagt hat. Sie soll ein Gutachten über mich erstellen und lehnt ein Gespräch mit mir ab, obwohl ich ihr gegenüber sitze – sie lehnt alles ab was sie von mir schriftlich bekommen kann – das ein zigste was sie interessiert sind Unterlagen, die über ein Jahr alt sind. Zielsicher sucht sie zwei Sätze aus 33 Seiten heraus. Der erste ist 1,5 Jahre alt, der zweite 13 Monate. Dann fällt sie ihr Urteil!

Wie das Urteil ausgefallen ist, tut hier eigentlich nichts mehr zur Sache, was immer diese Frau schreibt ist bedeutungslos denn diese Frau war offensichtlich nicht qualifiziert ein entsprechendes Gutachten zu erstellen. Vielmehr hat sie mir einen körperlichen Schaden zugefügt.

  • Sie hatte die Information das ich mit ihr Trauma bedingt ein Problem habe

  • Sie hatte die Information das ich akut unter Stress stehe

  • Meine Versuche Kontrolle zu bekommen können ihr nicht verborgen geblieben sein

  • Nach eigenen Angaben ist sie Psychiater und kennt sie sich mit PTBS aus

  • Sie muss also wissen, das PTBS immer etwas mit Kontrollverlust zu tun hat

  • Sie muss also wissen, was Stresshormone im Gehirn eines an PTBS Erkrankten anrichten

Ich will ihr wohl zugestehen, das sie sich eingeredet hat, innerhalb des Systems das beste für mich herausgeholt zu haben. Doch dieses System weigert sich die Nahtlosigkeitsregel anzuwenden und treibt mich so an den Rand des Ruins. Und es gibt bis heute keine einzige Begründung warum man sich nicht an geltendes Recht hält. Wie es aussieht, ist es die Aufgabe des Medizinischen Dienstes der Bundesagentur für Arbeit, Wege zu finden, diesen offenen Rechtsbruch nachträglich zu legitimieren und somit zu vertuschen. Ich muss davon ausgehen, dass ich kein Einzelfall bin und das der Rechtsbruch von oben angeordnet ist. Der Mensch wird dabei nicht mehr wahrgenommen. Wenn sich aber ein Arzt nicht mehr am Menschen, sondern nur noch an der Aufrechterhaltung eines Systems interessiert ist, bricht er dann nicht seinen hippokratischen Eid, in dem unter anderem folgendes steht: „…Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht….“

Mein Fazit,: Wenn sie geschworen hat, dann hat sie ihn gebrochen!

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